Deklination von Adjektiven: alle Endungen in Tabellen
Starke, schwache und gemischte Formen mit einer Regel für alle
Die Deklination der Adjektive wird oft als anspruchsvoll empfunden, weil Lehrbücher drei Endungstabellen nebeneinanderstellen. Bei attributiven Adjektiven hilft eine Grundregel: In vielen Nominalgruppen wird der Kasus nur einmal eindeutig markiert. Trägt der Artikel die entscheidende Endung, folgt beim Adjektiv meist die schwache Flexion; ohne Artikel steht meist die starke Flexion. Tabellen bleiben für einzelne Formen und Sonderfälle nützlich.
Eine Grundregel hinter drei Tabellen
Die Fachbezeichnung lautet Monoflexion: In einer Wortgruppe werden Kasusmerkmale möglichst nur einmal eindeutig angezeigt.
Kommt vorher ein bestimmtes Artikelwort mit deutlicher Kasusmarkierung (der, dem, diesen), schließt das Adjektiv nur mit -e oder -en ab. Man nennt diese Varianten schwach.
Ohne vorausgehendes Wort übernimmt das Adjektiv selbst die Kasusanzeige, etwa mit den Endungen -e, -er, -es, -em oder -en. Diese Formen nennt man starke Flexion.
Nach dem unbestimmten Artikel mischt sich beides, weil ein und kein in einigen Formen keine Endung tragen. Wo sie eine haben, folgt schwach, wo nicht, folgt stark.
Die schwache Beugung nach bestimmtem Artikel
| Fall | maskulin | feminin | neutral | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der gute Text | die gute Note | das gute Buch | die guten Texte |
| Genitiv | des guten Textes | der guten Note | des guten Buches | der guten Texte |
| Dativ | dem guten Text | der guten Note | dem guten Buch | den guten Texten |
| Akkusativ | den guten Text | die gute Note | das gute Buch | die guten Texte |

Die starke Beugung ohne Artikel
| Fall | maskulin | feminin | neutral | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | guter Text | gute Note | gutes Buch | gute Texte |
| Genitiv | guten Textes | guter Note | guten Buches | guter Texte |
| Dativ | gutem Text | guter Note | gutem Buch | guten Texten |
| Akkusativ | guten Text | gute Note | gutes Buch | gute Texte |
Die gemischte Beugung nach ein und kein
Nach dem unbestimmten Artikel mischen sich beide Reihen. Der Grund liegt in ein selbst: Im Nominativ maskulin und im Nominativ und Akkusativ neutral trägt es keine Endung.
Genau an diesen drei Stellen übernimmt das Adjektiv die Kasusanzeige: ein guter Text, ein gutes Buch. In allen übrigen Formen trägt der Artikel die Endung, und das Adjektiv wird schwach flektiert: eines guten Textes, einem guten Buch.
Dieselbe Verteilung gilt für kein und für Possessivartikel: mein guter Text, meines guten Textes.
Im Plural existiert kein unbestimmtes ein. Ohne bestimmendes Wort erscheint dann die starke Endung: gute Texte, während nach kein die schwache folgt: keine guten Texte.
Häufige Fehler und Zweifelsfälle
Nach ein und kein: ein guter Text, aber eines guten Textes. Im ersten Fall trägt ein keine Endung, deshalb übernimmt das Adjektiv; im zweiten trägt eines die Anzeige.
Zwei gleichrangige Adjektive nebeneinander: Sie erhalten in der Regel dieselbe Endung: mit großem persönlichem Einsatz. Nicht jedes Wort vor einem Nomen ist jedoch ein eigenständiges Adjektiv; in gut ausgebildetem Personal gehört gut zu ausgebildet.
Nach viele und einige: Ohne weiteren Artikel steht häufig die starke Endung: viele gute Gründe. Nach alle und beide folgt in der Regel die schwache Endung: alle guten Gründe.
Substantivierte Adjektive: Ihre Beugung bleibt bestehen: der Angestellte, ein Angestellter, die Angestellten. Diese Doppelform überrascht, weil das Wort wie ein gewöhnliches Nomen aussieht.
Unbeugbare Adjektive: Farbadjektive wie rosa, lila und orange können ohne Endung stehen: ein rosa Kleid. Für eine flektierte Form verwendet man Zusammensetzungen wie rosafarben: ein rosafarbenes Kleid.

Die Beugung in wissenschaftlichen Arbeiten
Besonders auffällig ist die Kette mehrerer Attribute. In Konstruktionen wie mit umfangreichem empirischem Material tragen beide gleichrangigen Adjektive dieselbe Endung; uneinheitliche Endungen können ein Fehler sein.
Ein zweiter Punkt betrifft artikellose Nominalgruppen, etwa in Überschriften und Beschriftungen. Dort steht die starke Endung: Empirische Ergebnisse, nicht Empirischen Ergebnisse.
Ein dritter Prüfpunkt sind substantivierte Formen. Die Befragten, die Beteiligten und die Studierenden werden weiter wie Adjektive gebeugt, und im Dativ Plural heißt es den Befragten, nicht den Befragte.
Ein vierter Aspekt ist die Anhäufung von Attributen. Die Grammatik begrenzt die Zahl der Adjektive vor einem Nomen nicht fest; lange Reihen können die Lesbarkeit jedoch erschweren.
Ein fünfter Punkt betrifft Aufzählungen mit gemeinsamem Substantiv. Die schriftliche und die mündliche Prüfung ist eine vollständige Form. Der Artikel kann gemeinsam stehen, wenn Genus, Numerus und Kasus übereinstimmen: die schriftliche und mündliche Prüfung.
Fazit: Deklination Adjektive im schnellen Blick
Als Faustregel gilt: Bei attributiven Adjektiven wird der Kasus in vielen Nominalgruppen nur einmal eindeutig markiert. Nach bestimmtem Artikel steht meist die schwache Endung, ohne Artikel meist die starke.
Mit unbestimmtem Artikel kombinieren sich beide Muster, denn ein und kein besitzen nicht überall eine eigene Endung. Zwei gleichrangige benachbarte Adjektive erhalten in der Regel dieselbe Endung.
Lesen Sie hier weiter: Deklination, Adjektive und Adjektive steigern.
