Didaktische Analyse: Begriff, Aufbau und Anwendung
Didaktische Analyse verständlich erklärt: Grundlagen und Anwendung im Überblick.
Didaktische Analyse
Die didaktische Analyse ermittelt im hier verwendeten Ansatz der TUM-Toolbox die Lernstruktur eines Lerngegenstands, also ob er kognitives, affektives oder sensomotorisches Verhalten fördert, und ordnet ihn einem Lernbereich zu. Zudem arbeitet sie die Bedeutung des Lerngegenstands für die Gesellschaft sowie seinen Eigenwert für das Fach, für das Kind und den Jugendlichen heraus.
Didaktische Analyse fachlich einordnen
Das hier verwendete Raster folgt der TUM-Toolbox: Die didaktische Analyse untersucht die Lernstruktur eines Lerngegenstands. Dabei wird betrachtet, ob der Gegenstand kognitives, affektives oder sensomotorisches Verhalten fördert. Zugleich wird der Lerngegenstand einem Lernbereich zugeordnet. Davon unterscheidet sich der verbreitete Ansatz nach Klafki mit fünf Leitfragen: Gegenwartsbedeutung, Zukunftsbedeutung, exemplarische Bedeutung, thematische Struktur und Zugänglichkeit.
Bei akademischen Aufgaben oder wissenschaftlichen Texten hältst du zunächst fest, welche Verhaltensdimension beim Lerngegenstand angesprochen wird und welchem Lernbereich er zugeordnet ist. Anschließend dokumentierst du, welche Auswahl-, Zusammenhangs- und Bedeutungsfragen das verwendete Material beantwortet.
Auch Entscheidungen über die Stoffauswahl werden berücksichtigt. Du prüfst, was weggelassen werden kann. Zudem prüfst du, ob das Besondere des Gegenstandes allgemeine Zusammenhänge veranschaulicht. Hinzu kommen Sinn- und Sachzusammenhänge sowie die gesellschaftliche Bedeutung und der Eigenwert des Gegenstands für Fach, Kind und Jugendliche.
Prüfe im eigenen Text, ob Lernstruktur, Lernbereich, Auswahl, Zusammenhänge und Bedeutungsfragen ausdrücklich benannt sind. Ergänze keine Aussage, für die das verwendete Material keinen Beleg enthält.

Begriff, Merkmale sowie Bestandteile
Orientiere dich an den folgenden Analysebereichen. Die Leitfragen müssen nicht in der dargestellten Reihenfolge bearbeitet werden und können mehrfach relevant sein.
- Lerngegenstand bestimmen: Halte fest, welcher Gegenstand analysiert wird. Ergebnis: eine eindeutige Bezeichnung des Gegenstandes.
- Lernstruktur untersuchen: Prüfe, ob der Gegenstand kognitives, affektives oder sensomotorisches Verhalten fördert. Ergebnis: eine Beschreibung der angesprochenen Verhaltensdimension.
- Lernbereich zuordnen: Ordne den Gegenstand einem Lernbereich zu. Ergebnis: eine ausdrücklich benannte Zuordnung.
- Auswahlkriterien entwickeln: Frage, was weggelassen werden kann. Ergebnis: eine festgehaltene Eingrenzung für die Darstellung.
- Besonderes und Allgemeines verbinden: Prüfe, ob das Besondere des Gegenstandes allgemeine Zusammenhänge veranschaulicht. Ergebnis: eine Beschreibung der Verbindung zwischen Gegenstand und Zusammenhang.
- Sinn- und Sachzusammenhänge beschreiben: Stelle die Zusammenhänge dar. Ergebnis: eine geordnete Beschreibung der Sinn- und Sachzusammenhänge.
- Bedeutungen ausarbeiten: Arbeite die gesellschaftliche Bedeutung sowie den Eigenwert für Fach, Kind und Jugendliche getrennt heraus. Ergebnis: getrennte Aussagen zu diesen Bedeutungsfragen.
Prüfe, ob die Darstellung Lerngegenstand, Lernstruktur, Lernbereich, Auswahl, Zusammenhänge und Bedeutung abdeckt. Ergänze historische oder fachliche Angaben nur mit direktem Beleg.
| Bestandteil | Leitfrage | Ergebnis |
|---|---|---|
| Lernstruktur | Welches Verhalten wird durch den Gegenstand gefördert? | Darstellung der kognitiven, affektiven oder sensomotorischen Dimension |
| Lernbereich | Welchem Lernbereich wird der Gegenstand zugeordnet? | Benannte Zuordnung |
| Auswahl | Was kann weggelassen werden? | Festgehaltene Eingrenzung |
| Zusammenhänge | Wie werden die Sinn- und Sachzusammenhänge dargestellt? | Geordnete Zusammenhangsdarstellung |
| Bedeutung | Wie werden die gesellschaftliche Bedeutung und der Eigenwert herausgearbeitet? | Getrennte Bedeutungsdarstellung |
Die Analyse Schritt für Schritt umsetzen
Halte die Ergebnisse der Analysebereiche fest. Die Reihenfolge richtet sich nach dem Gegenstand, und einzelne Fragen können mehrfach relevant sein.
- Gegenstand festhalten: Halte den Lerngegenstand sachlich fest. Ergebnis: eine eindeutige Bezeichnung des Gegenstandes.
- Lernstruktur ermitteln: Prüfe, ob der Gegenstand kognitives, affektives oder sensomotorisches Verhalten fördert. Ergebnis: eine Zuordnung zu einer Verhaltensdimension oder die Prüfhandlung, die Zuordnung anhand des Materials zu ermitteln.
- Bereich zuordnen: Ordne den Gegenstand einem Lernbereich zu. Ergebnis: eine dokumentierte Zuordnung oder die Prüfhandlung, den Lernbereich aus dem Material zu ermitteln.
- Weglassbares bestimmen: Frage, welche Inhalte weggelassen werden können. Ergebnis: eine abgegrenzte Auswahl für die weitere Darstellung.
- Das Besondere prüfen: Untersuche, ob ein besonderes Merkmal des Gegenstandes allgemeine Zusammenhänge veranschaulicht. Ergebnis: eine Beschreibung oder die Prüfhandlung, den Zusammenhang anhand des Materials zu ermitteln.
- Sinn- und Sachzusammenhänge formulieren: Beschreibe die Zusammenhänge. Ergebnis: eine geordnete Darstellung der Sinn- und Sachzusammenhänge.
- Bedeutung trennen: Trenne die gesellschaftliche Bedeutung vom Eigenwert für Fach, Kind und Jugendliche. Ergebnis: getrennte Aussagen zu diesen Bedeutungsfragen.
- Darstellung prüfen: Prüfe, ob Lernstruktur, Lernbereich, Auswahl, Zusammenhänge und Bedeutung im Text vorkommen. Ergebnis: eine Fassung mit diesen Analysebereichen.
Fehlt für einen Schritt ein Beleg, formuliere eine konkrete Prüfhandlung statt einer Vermutung. Schreibe etwa: Prüfe, welchem Lernbereich der Lerngegenstand zugeordnet wird.
Kurzes durchgängiges Anwendungsbeispiel
In diesem Beispiel dient eine Fotografie eines Schulwegs als Lerngegenstand. Die Analyse grenzt den Gegenstand auf dieses eine Bild ein. Für die Bearbeitung werden der Weg, sichtbare Elemente entlang des Weges und die Anordnung im Bild ausgewählt. Andere sichtbare Einzelheiten bleiben außerhalb der Auswahl. So wird der Betrachtungsumfang eindeutig.
Danach wird die Lernstruktur geprüft. Die Prüfung richtet sich darauf, ob der Lerngegenstand kognitives, affektives oder sensomotorisches Verhalten fördert. Im Beispiel kann die Analyse anhand von Aufgabe und Material prüfen, ob kognitives Verhalten gefördert wird. Diese Prüfung beschreibt die Lernstruktur; sie legt noch keinen Lernbereich fest. Die Zuordnung zu einem Lernbereich bleibt als gesonderte Prüfhandlung offen: Für das Bild ist zu klären, welchem Lernbereich der Gegenstand zugeordnet wird.
Die Arbeitsaufgabe lautet: Die Lernenden wählen drei sichtbare Elemente aus dem Bild aus, beschreiben sie und ordnen ihre Auswahl. Daraus entsteht eine begründete Auswahl von Bildteilen. Die Fotografie bildet dabei den besonderen Fall. Die Analyse kann an diesem einzelnen Fall nach einem Zusammenhang fragen, der über den ausgewählten Bildausschnitt hinausweist. Zugleich kann sie prüfen, welche Teile des Bildes für die Aufgabe weggelassen werden.
Im nächsten Schritt werden Sinn- und Sachzusammenhänge beschrieben. Für die gesellschaftliche Bedeutung wird geprüft, welche Bedeutung der Lerngegenstand in diesem Zusammenhang hat. Der Eigenwert wird getrennt für das Fach, für das Kind und für den Jugendlichen herausgearbeitet. Im Beispiel wird dafür jeweils notiert, welche Bedeutung der ausgewählte Lerngegenstand haben kann und worauf sich die Begründung bezieht. Die drei Perspektiven werden nicht zu einer einzigen Aussage zusammengezogen.
Am Ende enthält die Beispielanalyse einen abgegrenzten Lerngegenstand, eine Auswahl von Bildteilen und das Ergebnis der Prüfung seiner Lernstruktur. Sie hält außerdem die offene Prüfung der Zuordnung zu einem Lernbereich fest. Hinzu kommen die Fragen nach dem besonderen Fall, nach dem Weglassen von Teilen, nach Zusammenhängen sowie nach gesellschaftlicher Bedeutung und Eigenwert. Das Beispiel macht keine allgemeine Aussage über Schulwege oder Fotografien. Es zeigt eine mögliche Ordnung der Gesichtspunkte an einem einzelnen Lerngegenstand.

Definition, Abgrenzung und Form prüfen
Im finalen Check werden Inhaltsgrenzen, Abgrenzungskriterien und formale Merkmale strikt getrennt bewertet.
Inhaltliche Prüfung:
- Ist die didaktische Analyse als Untersuchung der Lernstruktur eines Lerngegenstands beschrieben?
- Wird geprüft, ob der Gegenstand kognitives, affektives oder sensomotorisches Verhalten fördert?
- Ist der Lerngegenstand einem Lernbereich zugeordnet, oder ist die offene Zuordnung als Prüfhandlung gekennzeichnet?
- Werden Auswahl, das Besondere, Sinn- und Sachzusammenhänge sowie Bedeutungsfragen berücksichtigt?
- Sind die gesellschaftliche Bedeutung und der Eigenwert für Fach, Kind und Jugendliche getrennt dargestellt?
Abgrenzungsprüfung:
- Sind offene Punkte als konkrete Prüfhandlungen statt als Vermutungen formuliert?
Formale Prüfung:
- Ist der Lerngegenstand eindeutig benannt?
- Folgen Lernstruktur, Lernbereich, Auswahl, Zusammenhänge und Bedeutung nachvollziehbar aufeinander?
- Ist nach jedem Arbeitsschritt ein Ergebnis erkennbar?
- Sind Definition, Anwendung und Abgrenzung als unterschiedliche Textfunktionen erkennbar?
- Bleibt das Beispiel kurz, eigenständig und frei von unbelegten Zahlen oder historischen Angaben?
Prüfe für jede Aussage, ob das verwendete Material sie trägt. Fehlt ein Beleg, ersetze die Aussage durch eine konkrete Prüfhandlung.
Passende nächste Schritte
Quellen und Stand
- Fachquelle: toolbox.edu.tum.de (o. D.; abgerufen am 17.09.2026)