Geschwollen oder geschwellt: was ist richtig?
Wenn ein Wort zwei Gesichter hat
Bei geschwollen oder geschwellt entscheidet die Bedeutung des Verbs schwellen, welche Form richtig ist. Schwillt etwas von selbst an, zum Beispiel ein Knöchel nach einem Sturz, heißt das Partizip geschwollen; schwellen wird hier stark gebeugt. Bewirkt dagegen jemand oder etwas, dass sich ein Gegenstand weitet oder füllt, lautet das Partizip geschwellt; in diesem transitiven Gebrauch wird schwellen schwach konjugiert. Beide Formen sind standardsprachlich richtig, nur in unterschiedlichen Konstruktionen.
Die kurze Antwort
Beide Formen von geschwollen oder geschwellt existieren im Deutschen, und beide sind korrekt, sie werden aber in unterschiedlichen Situationen verwendet. Geschwollen gehört zum intransitiven, stark gebeugten Gebrauch von schwellen, wenn etwas von selbst anschwillt, ohne dass jemand aktiv eingreift. Geschwellt gehört zum transitiven, schwach gebeugten Gebrauch, wenn jemand oder etwas aktiv ein Objekt schwellt, also weitet oder füllt. Wer unsicher ist, prüft am besten, ob im Satz ein Akkusativobjekt steht: Steht eines da, ist meist geschwellt richtig, fehlt es, ist geschwollen die passende Form. Ein kurzer Griff zum Wörterbuch oder eine kurze Prüfung des Satzes reicht meist, um die richtige Form sicher zu finden.

Die Regel hinter schwellen
Zu den deutschen Verben, die je nach Bedeutung unterschiedlich gebeugt werden, zählt schwellen. Wird es intransitiv gebraucht, wenn etwas von selbst anschwillt, folgt es der starken Form: schwellen, schwoll, geschwollen. Das beschreibt etwa eine anschwellende Wunde oder einen Fluss, der anschwillt. Im transitiven Gebrauch, wenn jemand oder etwas bewirkt, dass ein Gegenstand sich weitet oder füllt, folgt die schwache Konjugation: schwellen, schwellte, geschwellt. So kann etwa Wind ein Segel schwellen. Der Duden führt die beiden Formen für die unterschiedlichen Bedeutungen auf.
Konkrete Beispielsätze verdeutlichen den Unterschied
Am einfachsten wird der Unterschied an Beispielen deutlich. Bei intransitivem Gebrauch heißt es etwa: Der Knöchel ist nach dem Sturz stark geschwollen. Oder: Der Fluss war nach dem Regen deutlich geschwollen. Bei transitivem Gebrauch dagegen: Der Wind hat die Segel geschwellt. Oder: Der Stolz hat seine Brust geschwellt. In beiden Fällen zeigt die Bedeutung, ob etwas von selbst anschwillt oder ob etwas einen Gegenstand weitet.
- Geschwollen: Nach einem Insektenstich war die Zunge geschwollen.
- Geschwollen: Seine Augen waren vom Weinen geschwollen.
- Geschwellt: Der Wind schwellte die Segel, die dadurch prall standen.
- Geschwellt: Stolz hatte ihm die Brust geschwellt.
Häufige Fehler
Ein häufiger Fehler bei geschwollen oder geschwellt ist, die Formen unabhängig von ihrer Bedeutung zu verwenden. Die Sätze „Die Brust schwoll vor Stolz“ und „Der Stolz schwellte seine Brust“ zeigen den Unterschied: Im ersten Fall schwillt die Brust selbst an, im zweiten bewirkt der Stolz das Schwellen der Brust. Bei einer Wunde passt normalerweise geschwollen, weil die Wunde selbst anschwillt. Im übertragenen Sinn bezeichnet geschwollene Sprache einen abgehobenen oder gekünstelten Stil.

Ein Merksatz und eine Eselsbrücke
Eine einfache Eselsbrücke hilft bei der Entscheidung zwischen geschwollen oder geschwellt: Schwillt etwas von selbst an, passt geschwollen. Bewirkt jemand oder etwas das Weiten oder Füllen eines Gegenstands, passt geschwellt. Der Satzbau kann dabei helfen: Ein Akkusativobjekt ist ein Hinweis auf die transitive Form, entscheidend bleibt jedoch die Bedeutung des Satzes.
Fazit
Die Frage geschwollen oder geschwellt lässt sich nicht pauschal, sondern nur mit Blick auf die Bedeutung des Satzes beantworten. Beide Formen sind im Deutschen korrekt: geschwollen für eigenständiges Anschwellen, geschwellt für das Bewirken des Weitens eines Gegenstands. Wer auf Bedeutung und Satzbau achtet, kann die passende Form besser bestimmen. Bei Unsicherheit hilft ein Blick in die Rechtschreibregeln oder eine professionelle Prüfung des eigenen Textes.
Nach diesem Beitrag ist bei „geschwollen oder geschwellt“ die richtige Form und Schreibweise mit Beispielen erklärt.
Weitere sprachliche Zweifelsfälle sind gesotten oder gesiedet, gequollen oder gequellt sowie allgemeine Rechtschreibregeln.
