Umgangssprache erkennen und vermeiden
Vom saloppen zum sachlichen Ausdruck
Umgangssprache vermeiden in der wissenschaftlichen Arbeit bedeutet, alltägliche, wertende und ungenaue Formulierungen durch sachliche Aussagen zu ersetzen. Hier erfährst du, wie du Umgangssprache erkennen und vermeiden kannst. Konkrete Beispiele zeigen dir, welche Wörter problematisch sind und welche präzisen Alternativen sich für einen wissenschaftlichen Text eignen.
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Warum Umgangssprache nicht zum wissenschaftlichen Stil passt
Im mündlichen Alltag ist Umgangssprache besonders verbreitet. Ihre Ausdrücke können ungenau, salopp oder wertend wirken. In einer wissenschaftlichen Arbeit erschwert ein solcher Ton die sachliche Darstellung, weil die Aussage nicht eindeutig erkennen lässt, was gemeint ist. Der Satz Die Studie ist mega spannend enthält eine emotionale Bewertung, beschreibt aber nicht ihren Erkenntniswert. Präzise Fachbegriffe benennen dagegen nachvollziehbar, welche Eigenschaft oder welches Ergebnis relevant ist. Beim Überarbeiten solltest du Gefühlswörter daher nicht einfach streichen, sondern durch eine inhaltlich passende, neutrale Formulierung ersetzen.

Umgangssprachliche Wörter erkennen und sachlich ersetzen
Einzelne Alltagswörter fallen beim Schreiben oft nicht auf, können einen Satz jedoch unpräzise machen. Achte besonders auf allgemeine Verben, unbestimmte Sammelbegriffe und verstärkende Füllwörter. Die folgenden Ausdrücke können in einer wissenschaftlichen Arbeit je nach Aussage durch eine passendere Alternative ersetzt werden:
- kriegen → je nach Kontext „erhalten“ oder „bekommen“
- machen (unspezifisch) → je nach Kontext durch „durchführen“, „erstellen“ oder „erzeugen“ präzisieren
- Sachen, Dinge → den konkreten Gegenstand benennen, zum Beispiel Aspekte, Faktoren oder Elemente
- ganz schön, ziemlich, mega → Ausmaß oder Kriterium konkret benennen, zum Beispiel „deutlich höher“
- gucken, checken → den Arbeitsschritt je nach Kontext als „prüfen“, „untersuchen“ oder „betrachten“ benennen
- ein bisschen → ein geringes Ausmaß mit „geringfügig“ oder „in geringem Maße“ beschreiben
Übertreibungen und persönliche Wertungen sachlich und neutral formulieren
Umgangssprache zeigt sich nicht nur an einzelnen Wörtern, sondern auch am Ton eines Satzes. Verstärkungen wie total, riesig, unglaublich können übertreiben, ohne die Aussage genauer zu machen. Persönliche Wertungen wie leider, zum Glück, erstaunlicherweise verraten eine Haltung, die im sachlichen Teil nicht an die Stelle einer nachvollziehbaren Beschreibung treten sollte. Frage dich bei solchen Ausdrücken, welche beobachtbare Eigenschaft dahintersteht. Statt der Formulierung erstaunlich hohe Werte kann beispielsweise stehen: Die Werte liegen über dem zuvor festgelegten Vergleichswert. Diese Formulierung ordnet das Ergebnis ein, ohne die persönliche Reaktion der schreibenden Person hervorzuheben.

Der Test: Würde diese Formulierung im Vortrag stehen?
Lies jeden verdächtigen Satz mit einer einfachen Frage: Klingt er wie eine Äußerung in einem lockeren Gespräch oder wie eine Aussage in einem Fachvortrag? Wenn du die Formulierung einem Professor gegenüber nicht verwenden würdest, kann das ein Hinweis sein, sie genauer zu prüfen. Entscheidend ist, ob sie den gemeinten Sachverhalt präzise wiedergibt. Suche anschließend nach dem konkreten Inhalt, den der saloppe Ausdruck verdeckt. Ein allgemeines Verb lässt sich häufig durch den tatsächlich ausgeführten Vorgang ersetzen, ein Gefühlswort durch eine sachlich beschriebene Eigenschaft. So kannst du mögliche umgangssprachliche Wörter erkennen und durch sachlichere Alternativen ersetzen. Dabei sollte sich die Aussage des Satzes nicht verändern. Ein Lektorat kann den Text sprachlich überarbeiten.
Für eine gründliche Überarbeitung lohnt es sich außerdem, verwandte Stilfragen zu betrachten. Die Hinweise zu Floskeln und Phrasen vermeiden helfen bei inhaltsarmen Wendungen, während der Beitrag Ich oder man in der Arbeit die passende Personenbezeichnung behandelt. Wenn du den gesamten Text sprachlich prüfen lassen möchtest, kommen Korrekturlesen oder das Stil-Lektorat infrage. Für sachliche Übergänge und abwechslungsreiche Einstiege findest du zusätzliche Formulierungshilfen in der Liste wissenschaftlicher Satzanfänge.