Was graue Literatur ist und wie man sie richtig zitiert
Warum graue Literatur mit Bedacht zu zitieren ist
Wichtige Quellen erscheinen nicht immer in einem Verlag oder einer Fachzeitschrift. Als graue Literatur werden Publikationen bezeichnet, die außerhalb des kommerziellen Verlagswesens erscheinen, etwa Reports, Forschungsberichte, Working Paper, Broschüren, behördliche Statistiken oder Positionspapiere von Verbänden. Wer graue Literatur zitieren möchte, muss zwei Fragen klären: Eignet sich die Quelle als Beleg, und wie wird sie nach dem geforderten Zitierstil korrekt zitiert? Dieser Ratgeber beantwortet beide Fragen und liefert Beispiele für typische Dokumenttypen.
Kostenlos herunterladen
Literaturverzeichnis: Muster für APA und Harvard
Die graue Literatur sauber belegen: in der Datei stehen Buch, Sammelbandbeitrag, Zeitschriftenaufsatz, Internetquelle und KI-Quelle als fertige Zeile, je einmal nach APA und einmal nach Harvard. Eckige Klammern ersetzen, die nicht gebrauchte Zitierweise löschen, fertig. Keine Anmeldung.
Quellen, die dazugehören
Der Begriff klingt kryptischer, als er eigentlich ist. Unter grauer Literatur versteht man Publikationen, die außerhalb des kommerziellen Verlagswesens erscheinen. Dazu gehören zum Beispiel:
- Forschungsberichte und Working Paper von Instituten
- Broschüren, Ratgeber und Merkblätter von Behörden und Verbänden
- Statistiken, Geschäftsberichte und Positionspapiere
- Studentische Abschlussarbeiten und interne Studien, sofern sie nicht über einen kommerziellen Verlag veröffentlicht sind
Bibliothekskataloge enthalten diese Materialien nicht zwingend. Eine systematische Literaturrecherche und die Portale der Herausgeber helfen beim Finden. Die Abgrenzung ist nicht immer scharf: Entscheidend ist der Publikationskontext; Vertriebsweg, ISBN oder Indexierung reichen für die Einordnung allein nicht aus.

Ist graue Literatur zitierfähig?
Grundsätzlich ist das möglich, aber nur nach Prüfung des Einzelfalls. Ob sich graue Literatur als wissenschaftlicher Beleg eignet, hängt vom Dokument und den Vorgaben der Hochschule oder Fachzeitschrift ab. Ein klar benannter Herausgeber, ein festes Erscheinungsdatum und nachvollziehbare Angaben zur Herkunft sprechen dafür. Ein anonymes PDF ohne Datum und Urheber ist dagegen nur schwer einzuordnen.
Wichtig ist, dass die Quelle möglichst dauerhaft auffindbar und eindeutig identifizierbar ist. Wissenschaftlich begutachtete Fachliteratur ist häufig besonders aussagekräftig; graue Literatur kann sie passend zur Fragestellung ergänzen. Achte auf die Transparenz der Entstehung, die fachliche Zuständigkeit des Herausgebers und mögliche Interessenlagen. Ein Report eines Forschungsinstituts lässt sich daher meist besser einordnen als ein undatiertes Merkblatt aus dem Internet.
Einsatzmöglichkeiten für graue Literatur
Für aktuelle Zahlen, Praxisberichte und offizielle Positionen kann graue Literatur eine wichtige Quelle sein, beispielsweise ein Statistikbericht einer Behörde oder ein Working Paper zu einem sehr jungen Thema. Ob sie als Beleg ausreicht, richtet sich nach der Aussage, der Qualität der Quelle und den jeweiligen Vorgaben.
Verlass dich nicht ausschließlich darauf: Prüfe, ob eine begutachtete Quelle dieselbe Aussage stützt, und ordne die Herkunft im Text ein, etwa mit der Formulierung laut einem Bericht des Umweltbundesamtes. Auch eine Paraphrase braucht einen Quellenbeleg; ob er im Text, in einer Fußnote oder in anderer Form erscheint, richtet sich nach dem Zitierstil und den Vorgaben deiner Hochschule oder des gewählten Publikationsorgans.
Elemente einer korrekten Quellenangabe
Abhängig vom Zitiersystem und den Hausregeln variieren die Pflichtfelder. Häufig gehören dazu:
- Urheber oder herausgebende Organisation
- Jahr der Veröffentlichung
- Titel des Dokuments samt Gattung, wie Bericht, Broschüre oder Working Paper
- Fundstelle: URL oder DOI; ein Abrufdatum, wenn der Zitierstil oder die Vorgaben es verlangen; bei Druckstücken die nach Zitierstil erforderlichen Publikationsangaben
Wie du diese Bausteine grundsätzlich zusammensetzt, erklärt der Leitfaden Quellenangabe richtig erstellen. In der deutschen Zitierweise kann der Vollbeleg in der Fußnote stehen. Fehlt ein persönlicher Autor, kann die Organisation als Urheber genannt werden; fehlt ein Jahr, kennzeichnest du dies nach den Stilvorgaben, etwa mit „o. J.“, statt die Angabe einfach wegzulassen.

Beispiele für unterschiedliche Quellentypen
Eine Referenz für graue Literatur kann folgendermaßen aufgebaut sein:
Working Paper: Herausgebende Organisation (Jahr): Titel des Working Papers (Reihe, Nummer). Erscheinungsort. URL; Abrufdatum, falls der Zitierstil es verlangt.
Behördenbroschüre: Herausgebende Behörde (Jahr): Titel der Broschüre. Erscheinungsort. URL; Abrufdatum, falls der Zitierstil es verlangt.
Die Beispiele verdeutlichen: Organisation, Titel und Fundstelle helfen der Leserschaft, die Quelle nachzuvollziehen. Bei rein digitalen Dokumenten kann es sinnvoll sein, eine Sicherungskopie anzulegen oder die Seite zu archivieren, weil Inhalte im Internet geändert oder nicht mehr erreichbar sein können.
Grenzen und häufige Fehler
Worauf du achten solltest:
- Ohne Datum und Urheber ist die Quelle schwer einzuordnen; prüfe, ob sie sich dennoch eindeutig identifizieren lässt und ob die jeweiligen Vorgaben ihre Verwendung zulassen.
- Hier fehlt das Abrufdatum, obwohl dein Zitiersystem oder deine Hausregeln eines verlangen können.
- Man verwendet sie unreflektiert als Ersatz für begutachtete Fachliteratur, ohne ihre Aussagekraft und die geltenden Vorgaben zu prüfen.
- Bei Positionspapieren von Verbänden bleiben mögliche Interessen oder Interessenkonflikte unbeachtet.
Wer diese Kriterien beachtet und die Quelle transparent einordnet, kann ihre Aussagekraft nachvollziehbar darstellen.
Literaturarbeit: Details finden sich hier: Dissertation zitieren, systematische Literaturrecherche sowie Primär- und Sekundärliteratur.
Ein häufiger Grenzfall sind Studienarbeiten aus Publikationsdiensten: GRIN zitieren und einordnen.