Pleonasmus verstehen und in der Analyse erkennen

Wenn Wörter dasselbe doppelt sagen

Lesezeit ca. 5 Min. · aktualisiert: 14. Juni 2026 · zurück zum Blog

Bei einem Pleonasmus wiederholt ein Wort etwas, das im anderen Wort bereits enthalten ist. „Weißer Schimmel“ ist ein bekanntes Beispiel. In der Analyse hilft dir die Prüfung des Zusammenhangs, gezielte Betonungen und unbeabsichtigte Wiederholungen zu unterscheiden. Auf dieser Seite wird das Stilmittel einfach erklärt: Du lernst Definition, Wirkung und Beispiele kennen und erfährst, wie du einen Pleonasmus in der Analyse erkennst und benennst.

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Was ein Pleonasmus genau ist

Ein Pleonasmus ist eine sprachliche Doppelung, bei der ein Zusatz etwas ausdrückt, das im Bezugswort bereits enthalten ist. Die Verbindung „weißer Schimmel“ gilt als bekanntes Beispiel. Ob ein Zusatz im jeweiligen Kontext überflüssig ist, hängt jedoch von der verwendeten Bedeutung ab. Typisch sind ein Adjektiv und ein Nomen, die dieselbe Eigenschaft nennen, oder ein Verb, das eine Richtung wiederholt. Im Alltag entstehen solche Verdopplungen oft unbewusst. In Gedichten oder Reden können sie gezielt eingesetzt sein. Prüfe deshalb im Zusammenhang, ob der Zusatz eine Information wiederholt und welche Wirkung er haben kann.

Pleonasmus und Tautologie im Vergleich, Stilmittel erkennen
Pleonasmus im Überblick.

So erzielt die Doppelung ihre Wirkung

Auf den ersten Blick wirkt eine solche Verdopplung wie ein Fehler, und im Sachtext ist sie oft unnötig. In der Literatur kann sie jedoch gezielt eingesetzt werden. Die Wiederholung kann eine Eigenschaft betonen, das Lesetempo verlangsamen und sich einprägen. Wenn eine Rednerin von einem „toten Leichnam“ spricht, kann der Zusatz das Grauen verstärken, obwohl ein Leichnam bereits tot ist. So kann Nachdruck entstehen. In Gedichten kann die Figur außerdem ins Versmaß passen oder einen Reim stützen. Beurteile die Wirkung daher im Zusammenhang und frage, ob der Zusatz die Aussage stärkt oder nur Platz füllt. So kannst du eine Deutung begründen, ohne Absicht oder Wirkung vorschnell festzulegen.

Bekannte Beispiele im Überblick

Die folgenden Wendungen veranschaulichen, wie eine Doppelung je nach Kontext wirken kann. Ob ein Bestandteil neue Information liefert, prüfst du jeweils an seiner konkreten Bedeutung.

  • „weißer Schimmel“ als bekanntes Beispiel für einen Pleonasmus
  • „runde Kugel“ als häufig genanntes Beispiel für einen Pleonasmus
  • „alter Greis“ als häufig genanntes Beispiel für einen Pleonasmus
  • „kleiner Zwerg“ und „großer Riese“ als Beispiele, deren Wirkung vom Zusammenhang abhängt
  • „voll und ganz“ als bedeutungsverstärkende Paarformel, die als Tautologie eingeordnet wird

Literarische Texte enthalten auch bildhaftere Varianten. Formulierungen wie „die stille Ruhe der Nacht“ oder „das feuchte Nass des Stroms“ können Bilder erzeugen und Stimmungen verstärken. Achte beim Lesen darauf, welches Wort entfallen könnte, ohne dass sich die Aussage wesentlich verändert. Das kann auf eine Redundanz hinweisen.

Abgrenzung gegenüber Tautologie und anderen Figuren

Am häufigsten wird die Figur mit der Tautologie verwechselt. Die Begriffe werden nicht in allen Darstellungen gleich scharf abgegrenzt. Ein Pleonasmus liegt meist vor, wenn ein Zusatz eine im Bezugswort bereits enthaltene Bedeutung wiederholt, etwa bei „weißer Schimmel“. Als Tautologie werden bedeutungsverstärkende Paarformeln wie „voll und ganz“ eingeordnet. Wortart und Satzbau können Anhaltspunkte geben, entscheiden aber nicht allein. Eng verwandt ist auch der Euphemismus, der nichts verdoppelt, sondern beschönigt. Prüfe bei Unsicherheit, ob eine Bedeutung innerhalb der Wortverbindung wiederholt wird oder ob mehrere ähnlich bedeutende Ausdrücke verbunden sind, und berücksichtige den jeweiligen Kontext.

Pleonasmus in der Analyse benennen, belegen und deuten

So benennst du es in deiner Analyse

In der Analyse reicht es nicht, das Stilmittel nur zu benennen. Du musst zeigen, was es bewirkt. Nutze dafür einen kurzen Dreischritt: benennen, belegen, deuten. Ein Beispielsatz könnte lauten: Die Formulierung der tote Leichnam verstärkt durch die Doppelung das Gefühl von Endgültigkeit und lässt die Szene bedrückend wirken. So verbindest du Beobachtung und Deutung in einem Satz. Vermeide leere Floskeln wie das klingt schöner. Frage stattdessen, welche Stimmung oder Betonung entsteht. Wie du eine solche Deutung sauber aufbaust, zeigt dir unsere Anleitung zur Gedichtanalyse Schritt für Schritt. Mit etwas Übung wirst du solche Stellen beim ersten Lesen erkennen und musst sie nicht mühsam suchen. Wichtig ist, dass deine Deutung zum restlichen Text passt.

Fazit: Die Doppelung sicher deuten

Ein doppelt gesagtes Wort ist nicht automatisch ein Fehler. Im Sachtext sind solche Wendungen oft entbehrlich; in Gedicht und Rede können sie bewusst Nachdruck erzeugen. Ein möglicher Hinweis ist der Streichtest: Lass das vermeintlich überflüssige Wort weg und prüfe, ob sich Bedeutung oder beabsichtigte Wirkung verändert. Danach deutest du die Stelle im Zusammenhang. So kannst du zwischen einer möglichen Absicht und einem Versehen unterscheiden und deine Einordnung in der Klausur begründen. Wenn du weitere Figuren nachschlagen willst, findest du sie gebündelt in unserer Übersicht der Stilmittel. So entwickelst du nach und nach ein Gespür für Sprache, das dir bei Analysen hilft.

Weitere Stilmittel im Detail: Tautologie, Paradoxon und Alle Stilmittel im Überblick.

Wenn deine Analyse stimmt, die Schreibweise aber schwankt, lasse deinen Beitrag vom Korrekturlesen und Lektorat kontrollieren.

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Häufige Fragen zum Pleonasmus

Ist eine solche Doppelung immer ein Fehler?

Nein. Im sachbezogenen Text gilt sie meist als unnötig und du solltest sie weglassen. In Gedicht und Rede kann dieselbe Doppelung aber bewusst gewählt sein, um eine Eigenschaft hervorzuheben oder eine Atmosphäre zu stärken.

Was ist der Unterschied zur Tautologie?

Ein Pleonasmus wiederholt meist eine Bedeutung, die bereits im Bezugswort enthalten ist, etwa bei „weißer Schimmel“. Als Tautologie werden häufig bedeutungsverstärkende Paarformeln wie „voll und ganz“ eingeordnet. Die Begriffe werden nicht in allen Darstellungen gleich scharf abgegrenzt; Wortart und Satzbau sind deshalb nur Anhaltspunkte.

Warum ist der weiße Schimmel ein beliebtes Beispiel?

Das Beispiel ist anschaulich, weil die Wortgruppe häufig zur Erklärung eines Pleonasmus verwendet wird. Ob „weiß“ tatsächlich keine zusätzliche Information liefert, hängt vom jeweiligen Sprachgebrauch und Kontext ab. Gerade diese Prüfung macht das Beispiel für die Analyse nützlich.

Wie erkenne ich die Figur in einem Text schnell?

Nutze den Streichtest als ersten Hinweis. Lass das verdächtige Wort weg und prüfe, ob sich Bedeutung oder beabsichtigte Wirkung verändert. Bleibt die Aussage in diesem Zusammenhang inhaltlich gleich, kann eine überflüssige Doppelung vorliegen. Mit Übung findest du solche Stellen leichter.

Wie schreibe ich die Deutung in der Analyse auf?

Arbeite mit dem Dreischritt benennen, belegen, deuten. Nenne das Stilmittel, zitiere die Stelle kurz und erkläre die Wirkung. Wenn dein Satz gut erklärt, warum die Doppelung wirkt, reicht das oft schon, sofern er zum Zusammenhang des Textes passt.

Gibt es die Doppelung auch in festen Redewendungen?

Das kommt häufig vor. Feste Verbindungen wie „voll und ganz“, „nie und nimmer“ oder „einzig und allein“ können als Tautologien oder verwandte Doppelungen eingeordnet werden. Sie funktionieren als geschlossene Einheiten und können dem Satz zusätzliches Gewicht geben.

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