Pleonasmus verstehen und in der Analyse erkennen
Wenn Wörter dasselbe doppelt sagen
Bei einem Pleonasmus wiederholt ein Wort etwas, das im anderen Wort bereits enthalten ist. „Weißer Schimmel“ ist ein bekanntes Beispiel. In der Analyse hilft dir die Prüfung des Zusammenhangs, gezielte Betonungen und unbeabsichtigte Wiederholungen zu unterscheiden. Auf dieser Seite wird das Stilmittel einfach erklärt: Du lernst Definition, Wirkung und Beispiele kennen und erfährst, wie du einen Pleonasmus in der Analyse erkennst und benennst.
Was ein Pleonasmus genau ist
Ein Pleonasmus ist eine sprachliche Doppelung, bei der ein Zusatz etwas ausdrückt, das im Bezugswort bereits enthalten ist. Die Verbindung „weißer Schimmel“ gilt als bekanntes Beispiel. Ob ein Zusatz im jeweiligen Kontext überflüssig ist, hängt jedoch von der verwendeten Bedeutung ab. Typisch sind ein Adjektiv und ein Nomen, die dieselbe Eigenschaft nennen, oder ein Verb, das eine Richtung wiederholt. Im Alltag entstehen solche Verdopplungen oft unbewusst. In Gedichten oder Reden können sie gezielt eingesetzt sein. Prüfe deshalb im Zusammenhang, ob der Zusatz eine Information wiederholt und welche Wirkung er haben kann.

So erzielt die Doppelung ihre Wirkung
Auf den ersten Blick wirkt eine solche Verdopplung wie ein Fehler, und im Sachtext ist sie oft unnötig. In der Literatur kann sie jedoch gezielt eingesetzt werden. Die Wiederholung kann eine Eigenschaft betonen, das Lesetempo verlangsamen und sich einprägen. Wenn eine Rednerin von einem „toten Leichnam“ spricht, kann der Zusatz das Grauen verstärken, obwohl ein Leichnam bereits tot ist. So kann Nachdruck entstehen. In Gedichten kann die Figur außerdem ins Versmaß passen oder einen Reim stützen. Beurteile die Wirkung daher im Zusammenhang und frage, ob der Zusatz die Aussage stärkt oder nur Platz füllt. So kannst du eine Deutung begründen, ohne Absicht oder Wirkung vorschnell festzulegen.
Bekannte Beispiele im Überblick
Die folgenden Wendungen veranschaulichen, wie eine Doppelung je nach Kontext wirken kann. Ob ein Bestandteil neue Information liefert, prüfst du jeweils an seiner konkreten Bedeutung.
- „weißer Schimmel“ als bekanntes Beispiel für einen Pleonasmus
- „runde Kugel“ als häufig genanntes Beispiel für einen Pleonasmus
- „alter Greis“ als häufig genanntes Beispiel für einen Pleonasmus
- „kleiner Zwerg“ und „großer Riese“ als Beispiele, deren Wirkung vom Zusammenhang abhängt
- „voll und ganz“ als bedeutungsverstärkende Paarformel, die als Tautologie eingeordnet wird
Literarische Texte enthalten auch bildhaftere Varianten. Formulierungen wie „die stille Ruhe der Nacht“ oder „das feuchte Nass des Stroms“ können Bilder erzeugen und Stimmungen verstärken. Achte beim Lesen darauf, welches Wort entfallen könnte, ohne dass sich die Aussage wesentlich verändert. Das kann auf eine Redundanz hinweisen.
Abgrenzung gegenüber Tautologie und anderen Figuren
Am häufigsten wird die Figur mit der Tautologie verwechselt. Die Begriffe werden nicht in allen Darstellungen gleich scharf abgegrenzt. Ein Pleonasmus liegt meist vor, wenn ein Zusatz eine im Bezugswort bereits enthaltene Bedeutung wiederholt, etwa bei „weißer Schimmel“. Als Tautologie werden bedeutungsverstärkende Paarformeln wie „voll und ganz“ eingeordnet. Wortart und Satzbau können Anhaltspunkte geben, entscheiden aber nicht allein. Eng verwandt ist auch der Euphemismus, der nichts verdoppelt, sondern beschönigt. Prüfe bei Unsicherheit, ob eine Bedeutung innerhalb der Wortverbindung wiederholt wird oder ob mehrere ähnlich bedeutende Ausdrücke verbunden sind, und berücksichtige den jeweiligen Kontext.

So benennst du es in deiner Analyse
In der Analyse reicht es nicht, das Stilmittel nur zu benennen. Du musst zeigen, was es bewirkt. Nutze dafür einen kurzen Dreischritt: benennen, belegen, deuten. Ein Beispielsatz könnte lauten: Die Formulierung der tote Leichnam verstärkt durch die Doppelung das Gefühl von Endgültigkeit und lässt die Szene bedrückend wirken. So verbindest du Beobachtung und Deutung in einem Satz. Vermeide leere Floskeln wie das klingt schöner. Frage stattdessen, welche Stimmung oder Betonung entsteht. Wie du eine solche Deutung sauber aufbaust, zeigt dir unsere Anleitung zur Gedichtanalyse Schritt für Schritt. Mit etwas Übung wirst du solche Stellen beim ersten Lesen erkennen und musst sie nicht mühsam suchen. Wichtig ist, dass deine Deutung zum restlichen Text passt.
Fazit: Die Doppelung sicher deuten
Ein doppelt gesagtes Wort ist nicht automatisch ein Fehler. Im Sachtext sind solche Wendungen oft entbehrlich; in Gedicht und Rede können sie bewusst Nachdruck erzeugen. Ein möglicher Hinweis ist der Streichtest: Lass das vermeintlich überflüssige Wort weg und prüfe, ob sich Bedeutung oder beabsichtigte Wirkung verändert. Danach deutest du die Stelle im Zusammenhang. So kannst du zwischen einer möglichen Absicht und einem Versehen unterscheiden und deine Einordnung in der Klausur begründen. Wenn du weitere Figuren nachschlagen willst, findest du sie gebündelt in unserer Übersicht der Stilmittel. So entwickelst du nach und nach ein Gespür für Sprache, das dir bei Analysen hilft.
Weitere Stilmittel im Detail: Tautologie, Paradoxon und Alle Stilmittel im Überblick.
