Ungeeignete Wörter in wissenschaftlichen Arbeiten erkennen
Präzise formulieren statt pauschale Verbotslisten auswendig lernen
Eine allgemeingültige Liste verbotener Wörter gibt es in wissenschaftlichen Arbeiten kaum. Problematisch werden Wörter durch ihren Kontext: Umgangssprache kann unpräzise wirken, absolute Aussagen brauchen starke Belege und Füllwörter verdecken oft den Gedankengang. Statt jedes „ich“, „man“ oder „natürlich“ mechanisch zu löschen, solltest du prüfen, welche Aussage du tatsächlich belegen kannst und welche Form dein Fach verlangt.
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Begriff und Erkenntnisziel
Wissenschaftlicher Stil zielt auf Klarheit, Nachvollziehbarkeit und angemessene Vorsicht. Wörter wie immer, eindeutig, zweifellos oder alle behaupten sehr viel und sind selten durch begrenzte Daten gedeckt. Umgangssprachliche Ausdrücke wie total, irgendwie oder super benennen den Sachverhalt nicht genau. Unbestimmte Verweise wie diesbezüglich oder hierbei sind nur dann sinnvoll, wenn ihr Bezug im Satz klar bleibt.
Vorbereitung und Abgrenzung
Erstelle keine pauschale Sperrliste, sondern prüfe die Vorgaben deines Lehrstuhls. Markiere beim Überarbeiten absolute Mengenwörter, wertende Adjektive, Füllwörter, unklare Pronomen und unnötige Intensivierer. Frage bei jeder Stelle: Welche Information trägt das Wort? Welcher Beleg stützt die Stärke der Aussage? Kann ein genauer Begriff, eine Bedingung oder eine konkrete Größenangabe die Formulierung verbessern?

Vorgehen Schritt für Schritt
- kritische Wortgruppen im Manuskript kennzeichnen
- Bedeutung und Belegstärke aller Aussagen prüfen
- Pauschalisierungen begrenzen oder quantifizieren
- Umgangssprache durch präzise, fachlich passende Formulierungen ersetzen
- Sätze im Kontext statt isoliert Wort für Wort überprüfen
Notiere bei Bedarf einzelne schwierige Änderungen als Hilfe für die weitere Textüberarbeitung. Ein solches Arbeitsprotokoll ist keine Voraussetzung für das Methodenkapitel; nur wenn die sprachliche Analyse selbst Teil der Forschungsmethode ist, kann die Dokumentation dort relevant sein.
Durchgehendes Beispiel
Die Formulierung „Natürlich zeigen alle Studien, dass das Konzept sehr gut funktioniert“ wird nicht allein durch das Streichen einzelner Wörter wissenschaftlich. Wenn sich der Befund auf fünf einbezogene Studien bezieht, kann sie zum Beispiel so präzisiert werden: „Vier der fünf einbezogenen Studien berichten unter den untersuchten Bedingungen einen positiven Effekt.“ Diese Formulierung nennt Umfang und Grenze des Befunds. Auch „Ich untersuche“ kann je nach Fach zulässig und klarer sein als das ausweichende „Es wird untersucht“.
„Diesbezüglich“: wann der Verweis trägt und wann nicht
„Diesbezüglich“ ist kein verbotenes Wort, sondern ein unbestimmter Verweis: Es zeigt zurück, ohne zu sagen, worauf. Solange der Bezug im Satz davor eindeutig ist, trägt das Wort. Sobald zwischen Bezug und Verweis zwei weitere Gedanken liegen, muss die Leserschaft raten. Mach die Gegenprobe: Lies den Satz mit „diesbezüglich“ jemandem vor, der den Absatz davor nicht kennt. Bleibt offen, worauf sich das Wort bezieht, ist es zu unbestimmt.
Die Reparatur ist fast immer dieselbe: Benenne die Sache, statt auf sie zu zeigen. Aus „Diesbezüglich zeigte sich ein Unterschied“ wird „Bei der Lesedauer zeigte sich ein Unterschied“. Je nach Satz passen auch „dazu“, „hierzu“, „in diesem Punkt“ oder „bezogen auf“ mit ausgeschriebenem Bezugswort. Der Gewinn ist nicht nur stilistisch: Ein ausgeschriebener Bezug bleibt auch dann verständlich, wenn der Satz später zitiert oder das Kapitel umgestellt wird. Dasselbe gilt für „hierbei“, „dabei“ und „obiges“.
Häufige Fehler vermeiden
- persönliche Pronomen unabhängig von Fachregeln kategorisch ablehnen
- Füllwörter eliminieren, ohne die Aussage zu präzisieren
- Fremdwörter nur wegen eines akademischen Klangs verwenden
- vorsichtige Modalverben auch bei gut belegten Fakten anhäufen
Lies Absätze auf Belegstärke, nicht nur auf einzelne Reizwörter. Ein Begriff ist dann geeignet, wenn er fachlich korrekt, verständlich und im Satz eindeutig ist. Variiere Formulierungen nicht um jeden Preis, denn konsistente Terminologie ist wichtiger als künstliche Synonyme. Bei empirischen Aussagen helfen Angaben zu Stichprobe, Zeitraum und Unsicherheit. Bei Argumenten müssen Schluss und Begründung sprachlich zusammenpassen.

Abgabecheck: Dokumentation im Methodik- oder Hauptkapitel
Der Abschnitt mit dem Titel Ungeeignete Wörter in wissenschaftlichen Arbeiten sollte nicht nur Beispiele enthalten. Prüfe, ob Pronomen klare Bezüge haben, absolute Aussagen angemessen eingeschränkt sind und Fachbegriffe einheitlich verwendet werden. Die Forschungsfrage ist nur dann relevant, wenn die sprachliche Analyse selbst Forschungsgegenstand ist. Für das Verständnis des Textes können kurze Überarbeitungsnotizen besonders bei schwierigen Stellen nützlich sein.
Trenne beim Abgabecheck sprachliche Fragen von den Ergebnissen deiner Forschung. Die Beschreibung eines Befunds muss nicht zeigen, wie du einzelne Wörter überarbeitet hast. Prüfe stattdessen, ob Belege, Einschränkungen und Fachbegriffe im Fließtext verständlich sind. Checklisten können bei der Überarbeitung helfen, müssen aber nicht Teil der Arbeit sein.
Prüffragen für die Abgabe
Kontrolliere die Seite oder das Kapitel nicht nur auf einzelne Wörter, sondern auf klare und passende Formulierungen. Die folgenden Fragen helfen dir, ungeeignete Wörter in wissenschaftlichen Arbeiten vor der Abgabe zu prüfen:
- Sind nach dem Hinweis „problematische Wortgruppen im Entwurf markieren“ alle Bezüge im Text klar, sodass Lesende sie ohne Rätselraten verstehen können?
- Kann eine Leserin nach dem Hinweis „Bedeutung und Belegstärke jeder Aussage prüfen“ erkennen, wie stark die Aussage belegt ist?
- Kann eine Leserin die Argumentation nachvollziehen, wenn „Pauschalisierungen begrenzen oder quantifizieren“ an den passenden Stellen umgesetzt ist?
- Kann der Text ohne Umgangssprache präzise bleiben, statt dem Hinweis „Umgangssprache durch Fachbegriffe ersetzen“ schematisch zu folgen?
- Kann der Satz im Kontext verständlich bleiben, sodass der Hinweis „Sätze im Kontext statt Wort für Wort kontrollieren“ nicht zu einer isolierten Wortprüfung verleitet?
- Passt ein persönliches Pronomen zu Fach, Textfunktion und Vorgaben, statt „jedes persönliche Pronomen unabhängig von Fachregeln verbieten“?
- Bleibt die Aussage präzise, wenn du „Füllwörter löschen, ohne die Aussage zu präzisieren“ vermeidest?
- Sind Fremdwörter fachlich nötig und verständlich, statt „Fremdwörter nur für einen akademischen Klang einsetzen“?
- Ist dokumentiert, wie du „vorsichtige Modalverben auch bei gut belegten Fakten häufen“ vermeidest?
Wenn du eine Frage nicht eindeutig beantworten kannst, überarbeite die betreffende Stelle. Meist hilft es, den Bezug zu klären, die Belegstärke anzupassen oder einen Fachbegriff einheitlich zu verwenden. Auch die Frage zu Modalverben ist ein Lesetest und keine Dokumentationspflicht. Eine Liste kann die Überarbeitung unterstützen, muss aber nicht in der Arbeit erscheinen.
Quellen und passende Vertiefungen
Welche stilistischen Grundsätze gelten, bestimmt dein Fach. Unsere Darstellungen zu wissenschaftlicher Schreibweise und Satzbau unterstützen dich bei der systematischen Textüberarbeitung.
Nützliche Ratgeber zur wissenschaftlichen Schreibweise, zum Satzbau, zum wissenschaftlichen Formulieren und zu passenden Satzanfängen.