Drittmittelantrag bei DFG und BMBF sprachlich prüfen
Die Idee überzeugt selten allein, die Darstellung entscheidet mit
Ein Drittmittelantrag wird von Menschen begutachtet, die viele Anträge in kurzer Zeit lesen und selten aus dem engsten Fachgebiet kommen. Was für die eigene Arbeitsgruppe selbstverständlich ist, muss deshalb erklärt werden, und zwar ohne dass der Text belehrend wirkt.
Unser Blick richtet sich hier rein auf die Sprachgestaltung. Für die inhaltliche Bewertung ist die Begutachtung zuständig, für Formalia die Förderrichtlinie.
Die ersten zwei Seiten entscheiden mit
Problemstellung und Abstract genießen höchste Beachtung. Wenn dort nicht knapp feststeht, welche Frage geklärt wird, warum diese relevant ist und was sich verändert, wenn sie beantwortet ist, betrachtet die Begutachtende den Fortgang misstrauisch.
Typisch ist der späte Einstieg: Zuerst folgt viel Kontext, ehe das Zentrum sichtbar wird. Stellen Sie um: Erst die offene Stelle und Ihr Ansatz, sodann die Evidenzbasis, die diesen Mangel untermauert.
Auch Klarheit hinsichtlich der angestrebten Ergebnisse trägt wesentlich zum Eindruck bei. "Ein besseres Verständnis von X" stellt lediglich eine Absicht dar, kein messbares Kriterium. Erst durch explizit bezifferte Zwischenschritte und definierte Indikatoren lässt sich der Fortschritt objektiv bewerten.
Bestehende Vorarbeiten und Anschlussfähigkeit
Der Teil zu Ihren bisherigen Arbeiten fällt oft zu schmal aus. Dort wollen Gutachtende wissen: Kann Ihr Team das Projekt erfolgreich umsetzen?
Legen Sie daher transparent offen, welche Grundlagen existieren: einschlägige Veröffentlichungen, erste Datenserien, bewährte Verfahren, nutzbare technische Ausstattung sowie aktive Partnerschaften. Wählen Sie dafür eine nüchterne Tonalität, da aufgeblasene Darstellungen in der Prüfung unmittelbar auffallen und das Vertrauen in die restlichen Kapitel erschüttern.

Text verständlich halten für fachfremde Gutachtende
Fachbegriffe sind nötig, aber jeder erklärungsbedürftige Begriff braucht bei seinem ersten Auftreten einen Halbsatz. Abkürzungen werden einmal eingeführt und dann konsequent verwendet, nicht abwechselnd mit der Langform.
Kurztest: Bitten Sie eine Person aus einem Nachbarfach, den Kern in drei Sätzen zusammenzufassen. Was dabei nicht verstanden wird, ist schriftlich nicht eindeutig genug.
Während unserer Analyse kennzeichnen wir Passagen, in denen Termini unpräpariert erscheinen, Formulierungen mehrere Deutungsmöglichkeiten eröffnen oder gehäufte Substantivationen die eigentliche Aussage verhüllen.
Die Beschreibung der Methode
Für viele Gutachtende bestimmt der Methodenteil die Einschätzung der Umsetzbarkeit. Zu spärliche Angaben lassen vermuten, dass Konzepte nicht existieren; zu breite Darstellungen verlieren dagegen Leser aus benachbarten Fächern.
Empfohlen wird eine differenzierte Gliederung: Zunächst begründen Sie in kompakter Form die gewählte Strategie und ihre Relevanz für die Forschungsfrage, sodann liefern Sie tiefergehende Informationen für Experten. Damit bekommt jede Leserschaft das, was sie braucht, sodass niemand das Interesse verliert.
Aufbau von Arbeitsprogramm, Zeitplan und Ressourcen
Hier zählt Stimmigkeit mehr als Sprache. Die häufigsten Befunde: Ein Arbeitspaket taucht im Zeitplan nicht auf, die beantragten Personalmonate passen nicht zu den beschriebenen Aufgaben, eine Meilensteintabelle nennt Termine, die im Text anders stehen.
Da Gutachtende den Drittmittelantrag bei DFG oder BMBF gleich beim ersten Lesen prüfen, erkennen sie solche Inkonsistenzen rascher als Verfassende. Deshalb vergleichen wir Textbausteine, tabellarische Darstellungen und Beilagen methodisch miteinander und erstellen daraus eine Übersicht aller Abweichungen.
Prüfen Sie zudem, ob die quantitativen Angaben im Haupttext und im Budget deckungsgleich sind. Wenn beispielsweise im Beschreibungsteil drei Promotionsplätze genannt werden, während im Kalkulationsschema lediglich zwei ausgewiesen sind, handelt es sich um einen leicht vermeidbaren Formfehler.

Formalia an der Förderlinie
Jede Ausschreibung hat eigene Vorgaben zu Umfang, Gliederung, Schriftgröße und Anlagen. Diese Vorgaben sind kein Beiwerk: Überschreitungen führen im ungünstigen Fall zum formalen Ausschluss.
Auf Anfrage vergleichen wir Ihren Entwurf mit den Gliederungsvorschriften der Ausschreibung, wenn Sie diese beifügen: Stimmen alle benötigten Teile, ihre Abfolge und die Seitenzahl? Diese Kontrolle ist zwar mechanischer Natur, wird unter Zeitdruck aber oft ausgelassen.
Schutz der Vertraulichkeit und Ablauf
Anträge enthalten unveröffentlichte Ideen. Alle Lektorinnen und Lektoren arbeiten unter Vertraulichkeitsvereinbarung, die Originaldatei wird nach Abschluss der Bearbeitung gelöscht und weder weitergegeben noch für Referenzen verwendet. Details unter Vertraulichkeit und Datenschutz.
Ein Antrag umfasst meist 20 bis 40 Normseiten zu 1.800 Zeichen. Im Lektorat ab 4,90 € pro Seite, je nach Bearbeitungsdauer, sind das rund 98 bis 196 €, im reinen Korrektorat ab 1,90 € entsprechend weniger. Planen Sie die Prüfung mindestens zwei Wochen vor der Frist ein: Danach bleibt Zeit für die Einarbeitung, und genau daran fehlt es sonst.
Bei Gesuchen jenseits des akademischen Bereichs verweist unsere Rubrik Lektorat für Förderanträge auf passende Lösungen.
Letzte praktische Empfehlung: Die Kurzfassung verfassen Sie am Schluss und lassen sie zuerst durchsehen. Meist entsteht sie unter starkem Druck, liest man sie aber besonders konzentriert. Wenn nur ein Segment sprachlich gegengeprüft wird, dann dieses hier.