Fehlerreport: 55 Abschlussarbeiten maschinell geprüft

Von 1.932 Meldungen sind vier Prozent echte Fehler

Lesezeit ca. 8 Min. · aktualisiert: 28. Juli 2026 · zur Akademie

Für diesen Fehlerreport werteten wir 55 veröffentlichte Abschlussarbeiten mit einer automatischen Rechtschreibprüfung aus. Sie meldete 1.932 Stellen, also rund 34 auf je 1.000 Wörter. Anschließend zogen wir 120 Meldungen zufällig und sahen sie einzeln nach. Vier davon bewerteten wir als echte Rechtschreibfehler.

Vorschau der ersten Seite: Word-Formatvorlage für die AbschlussarbeitVorschau der ersten Seite

Kostenlos herunterladen

Word-Formatvorlage für die Abschlussarbeit

Der Fehlerreport im Kopf, das Dokument fertig auf dem Schirm: Überschriften als echte Formatvorlagen, ein Inhaltsverzeichnis, das sich selbst füllt, Seitenzahlen in zwei Nummernkreisen, römisch für die Verzeichnisse und arabisch ab der Einleitung, dazu Deckblatt, Verzeichnisse, Kapitelgerüst und eidesstattliche Erklärung fertig eingerichtet. Das Gerüst steht, der Text bleibt deiner. Keine Anmeldung.

Alle Vorlagen ansehen

Die Frage hinter der Untersuchung

Wer eine fertige Abschlussarbeit in ein Prüfprogramm lädt, kann eine dreistellige Zahl an Hinweisen erhalten. Zunächst erschrickt man über diese Masse. Dann folgt die entscheidende Frage: Sind das überhaupt Fehler?

Ob ein einzelner Hinweis zutrifft, lässt sich nur am Text prüfen. Für den Fehlerreport haben wir deshalb nicht nur gezählt, was gemeldet wird, sondern eine Zufallsstichprobe der Meldungen von Hand geprüft und jeden Fall einer Kategorie zugeordnet.

Der Korpus

Analysiert wurden 55 frei zugängliche Abschlussarbeiten aus den Publikationsservern der Hochschule Mittweida und der Technischen Hochschule Wildau, veröffentlicht zwischen 2007 und 2020. Die Auswahl enthält 37 Masterarbeiten und 17 Bachelorarbeiten aus den Bereichen Technik, Wirtschaft, Medien und Informatik; die Art der verbleibenden Arbeit wird hier nicht näher ausgewiesen.

Aus jeder Arbeit wurde eine Textpassage aus der Mitte des Fließtextes ausgewählt, durchschnittlich rund 1.045 Wörter, insgesamt 57.513 Wörter. Ausgenommen waren Titelseiten, Inhaltsverzeichnisse, Quellenlisten und Anhänge sowie Bildtexte, Gleichungen und Tabellen. Erfasst wird der argumentierende Teil, nicht das Beiwerk.

Wichtig für die Einordnung: Alle untersuchten Dokumente wurden bereits eingereicht, bewertet und veröffentlicht. Aus einer bestandenen Bewertung lässt sich nicht ableiten, dass eine Arbeit frei von Rechtschreibfehlern ist.

Fehlerreport: Zusammensetzung der Rechtschreibmeldungen
Fehlerreport: 55 Abschlussarbeiten maschinell geprüft im Überblick.

Was die Prüfung gemeldet hat

Insgesamt ergaben sich 1.932 Rechtschreibmeldungen, also rund 34 Meldungen je 1.000 Wörter. Bei gleicher Meldungsrate entspräche das für eine Bachelorarbeit mit 12.000 Wörtern gut 400 Meldungen.

Die Zahl der Meldungen allein beantwortet noch nicht, wie viele davon tatsächlich Fehler sind.

Handprüfung: 120 Meldungen einzeln angesehen

Aus dem Gesamtpool von 1.932 Meldungen zogen wir 120 zufällig und beurteilten jede einzeln: Steht dort wirklich ein Rechtschreibfehler, oder hat das Programm etwas angestrichen, das korrekt ist?

Tabelle: Was die Meldung tatsächlich war, Fälle, Anteil
Was die Meldung tatsächlich warFälleAnteil
Fachbegriff oder Abkürzung des Fachgebiets4739,2 %
Personen-, Firmen- oder Produktname2520,8 %
Artefakt der PDF-Auswertung2319,2 %
englisches oder anderssprachiges Wort1714,2 %
nicht eindeutig zuzuordnen43,3 %
echter Rechtschreibfehler43,3 %

Damit beläuft sich der Anteil in der Stichprobe auf 3,3 Prozent. Die Zahlen 0 und 6,5 Prozent werden nicht als statistisches Intervall ausgewiesen. Einfach erklärt: Etwa jede dreißigste Meldung in dieser Stichprobe war ein echter Rechtschreibfehler.

Die größte Gruppe sind Fachbegriffe. Sie können in allgemeinen Wörterbüchern fehlen und im jeweiligen Fach dennoch korrekt sein. Dazu kommen Eigennamen, englische Fachausdrücke sowie Meldungen, die durch die PDF-Auswertung entstehen können. Solche Auslesefehler können einzelne Zeichen verändern; deshalb ist der Originaltext zu prüfen.

Die vier echten Fehler

Nach unserer Handprüfung waren diese vier Meldungen berechtigt:

  • förderaler statt föderaler Bundesstaat
  • Kamerawelche, hier fehlt bloß ein Abstand zwischen Kamera und welche
  • Übergangskommessar statt Übergangskommissar
  • Länden statt Ländern

Die vier Beispiele zeigen Fehler in gewöhnlichen Ausdrücken, die beim Lesen leicht übersehen werden können. Mehrere eigene Korrekturdurchgänge schließen solche Fehler nicht sicher aus.

Fehlerreport: Umgang mit der Meldungsliste

Was daraus für deine Arbeit folgt

Überträgt man den Anteil der Stichprobe rechnerisch auf alle Meldungen, entsprächen das etwa 64 Rechtschreibfehler in 57.513 Wörtern, also gut ein Fehler je 1.000 Wörter. Bei gleicher Quote wären es in einer Bachelorarbeit mit 12.000 Wörtern rund 13 Rechtschreibfehler. Diese Hochrechnung ist wegen der begrenzten Stichprobe nur eine Orientierung.

Ein Blindtest der Korrekturprogramme mit 18 eingebauten Rechtschreibfehlern zeigt, dass das verwendete Werkzeug diese Testfälle erkannte. Daraus lässt sich keine allgemeine Trefferquote ableiten.

In der Umsetzung bedeutet dies zwei Dinge:

  • Erschrick nicht vor der Zahl. 400 Meldungen bedeuten nicht 400 Fehler. In unserer Stichprobe entfiel die größte Gruppe auf Fachbegriffe und fachliche Abkürzungen.
  • Bearbeite die Auflistung dennoch. Echte Irrtümer können zwischen zahlreichen Fehlmeldungen stehen.

Einfach geht es so: Nimm die Fachbegriffe deiner Arbeit ins Benutzerwörterbuch auf, bevor du prüfst. Das kann die Liste verkürzen und ihre gezielte Prüfung erleichtern.

Was wir bewusst nicht ausgewertet haben

Die Prüfung meldete zusätzlich 449 Fälle zur Groß- und Kleinschreibung, 249 zur Zeichensetzung, 113 zur Grammatik und 88 zur Getrennt- und Zusammenschreibung. Diese Zahlen nennen wir hier bewusst als Meldungen und nicht als Fehler, denn sie sind nicht ohne eine Handprüfung belastbar, weil die Textaufbereitung künstliche Satzgrenzen erzeugen kann.

Der Grund liegt bei uns. Um Fußnoten, Belegzeilen und Tabellenreste aus dem Text zu entfernen, streicht unsere Aufbereitung einzelne Sätze heraus. Dadurch können Sätze aneinanderstoßen, die im Original nicht benachbart waren. An diesen Nahtstellen meldet die Prüfung mitunter fehlende Kommas oder falsche Großschreibung. Solche Meldungen sind nicht automatisch Fehler der Arbeiten.

Die Auswertung beschränkt sich deshalb auf Rechtschreibung. Auch dort können Auslesefehler vorkommen; sie wurden in der Handprüfung gesondert erfasst. Für die übrigen Fehlerarten ist mit der jetzigen Aufbereitung keine belastbare Auswertung möglich.

Methodik

Die Randbedingungen vollständig:

  • Auswahl: Abschlussarbeiten aus den OAI-Schnittstellen der Hochschulserver, gefiltert auf deutschsprachige Bachelor- und Masterarbeiten, ohne Dissertationen
  • Textprobe: je Arbeit 8.000 Zeichen aus der Mitte des Fließtextes, nach Entfernen von Kopfzeilen, Seitenzahlen, Fußnotenziffern und Belegzeilen
  • Gütekontrolle: Arbeiten, deren Text beim Auslesen zerfiel, wurden verworfen und nicht gewertet
  • Prüfung: ein Durchlauf je Textprobe mit einer frei zugänglichen Rechtschreibprüfung, Stilhinweise zählen nicht mit
  • Handprüfung: 120 zufällig gezogene Meldungen, feste Zufallssaat, Zuordnung zu sechs Kategorien

Die Grenzen: Zwei Hochschulen sind keine repräsentative Auswahl für den deutschen Hochschulbetrieb, und die Fächer sind technisch geprägt, was den Anteil an Fachbegriffen erhöhen kann. Veröffentlichte Arbeiten sind außerdem nicht dasselbe wie eingereichte Fassungen. In dieser Stichprobe war die große Mehrheit der Rechtschreibmeldungen kein Fehler.

Mehr zum Thema: der Blindtest der Korrekturprogramme, Rechtschreibprüfungen im Vergleich, Lektorat der Bachelorarbeit und Lektorat oder Korrektorat.

Möchtest du erkennen, ob die Hinweise in deinem Manuskript zutreffen? Lade dein Dokument hoch und lass ein Kapitel ab 10 Normseiten korrigieren.

Datei hochladen

Häufige Fragen zum Fehlerreport

Wie viele Fehler stecken in einer typischen Abschlussarbeit?

In unserer Stichprobe ergab die Hochrechnung gut einen Rechtschreibfehler je 1.000 Wörter, in einer Bachelorarbeit mit 12.000 Wörtern also etwa 13. Diese Orientierung gilt für die untersuchten veröffentlichten, bereits bewerteten Arbeiten.

Warum meldet mein Prüfprogramm hunderte Fehler?

Rechtschreibprogramme können Wörter melden, die nicht im verwendeten Wörterbuch erfasst sind. In Fachtexten sind das häufig Fachbegriffe, Eigennamen und englische Ausdrücke. In unserer Stichprobe waren 3,3 Prozent der Meldungen echte Rechtschreibfehler.

Kann ich die Meldungen dann ignorieren?

Nein. Die tatsächlichen Mangelstellen gehen unter der Masse der unzutreffenden Benachrichtigungen verloren. Empfehlenswert ist daher, die speziellen Begriffe des eigenen Projekts vorab im Benutzerlexikon zu hinterlegen. Anschließend erhält man eine Auflistung, die man gezielt prüfen kann.

Welche Arbeiten wurden geprüft?

55 frei zugängliche Bachelor- und Masterarbeiten aus den Publikationsservern der Hochschule Mittweida und der TH Wildau, erschienen zwischen 2007 und 2020, mit einer Textprobe von insgesamt 57.513 Wörtern.

Warum steht nichts zur Zeichensetzung im Report?

Weil unsere Textaufbereitung einzelne Sätze aus dem PDF entfernt und dadurch künstliche Satzgrenzen erzeugt. An diesen Nahtstellen meldet die Prüfung Kommafehler, die im Originaltext nicht vorhanden sein müssen. Deshalb enthält dieser Report keine Auswertung zur Zeichensetzung.

Werden Kundendokumente ausgewertet?

Für diese Studie nutzten wir ausschließlich öffentlich veröffentlichte Hochschulschriften. Dokumente aus individuellen Kundenprojekten fließen nicht in die Berechnungen ein und werden spätestens sieben Tage nach Abschluss des Auftrags gelöscht.

Unsere Partner