Genus Regeln: das Geschlecht deutscher Substantive
Endungen, Bedeutungsgruppen und die Grenzen der Vorhersagbarkeit
Die Genus Regeln beantworten die Frage, warum ein Wort der, die oder das trägt. Vollständig vorhersagbar ist das Geschlecht nicht, wohl aber zu einem erheblichen Teil: Zwei Wege führen zum Ziel, die Endung und die Bedeutungsgruppe. Die Endungsregeln sind die verlässlicheren, denn einige gelten ausnahmslos. Was danach bleibt, ist ein Kern von einigen tausend Grundwörtern, deren Geschlecht historisch gewachsen ist und nur nachgeschlagen werden kann.
Endungen mit sicherer Zuordnung
Meist weibliches Genus: -ung, -heit, -keit, -schaft, -ei, -ion, -tät, -ur, -anz, -enz, -age, -itis. Ausnahmen bei -ur sind das Abitur und das Futur.
Konkrete Belege: die Prüfung, die Freiheit, die Möglichkeit, die Wissenschaft, die Bäckerei, die Funktion, die Qualität, die Natur, die Toleranz, die Konferenz, die Montage.
Meist sächliches Genus: -chen, -lein, -ment, -um. Das Mädchen, das Büchlein, das Dokument, das Museum. Ausnahmen bei -ment sind der Moment und der Zement.
Überwiegend maskulin: -er, -ling, -ismus, -or, -ant, -ent, -ist. Der Lehrer, der Lehrling, der Kapitalismus, der Motor, der Praktikant, der Student, der Jurist.

Die Bedeutungsgruppen
Männliches Genus: Wochentage (der Montag), Kalendermonate (der Mai), Jahreszeiten (der Sommer), Himmelsrichtungen (der Norden), einige Witterungswörter wie Niederschlagsarten (der Regen, der Schnee), alkoholische Getränke (der Wein, Ausnahme das Bier), Automarken (der BMW) sowie Mineralien (der Quarz).
Weibliches Genus: Baumarten (die Eiche), Blütenpflanzen (die Rose), nominalisierte Kardinalzahlen (die Eins), Seefahrtsfahrzeuge (die Titanic), Luftfahrtgeräte (die Boeing) und Tabakwaren-Marken (die Marlboro).
Neutrales Genus: Metalle (das Gold), Maßeinheiten (das Kilogramm), Schriftzeichen (das A), Farben (das Rot), Sprachen (das Deutsche), substantivierte Verben (das Lesen) sowie Ortsnamen ohne Artikel (das schöne Berlin).
Zusammensetzungen und Ableitungen
In Zusammensetzungen bestimmt das letzte Element das Genus: der Butterberg (nach dem Berg), die Haustür (nach der Tür), das Türschloss (nach dem Schloss).
Ohne jegliche Ausnahme erfasst dieser Grundsatz weite Teile des Sprachbestands, da die deutsche Sprache beliebig viele Verbindungen bilden kann.
Bei Ableitungen entscheidet die Nachsilbe, nicht das Grundwort: der Freund wird zu die Freundschaft, weil -schaft feminin ist. Das Grundwort spielt keine Rolle.
In Kurzwörtern übernimmt man das Genus des vollständigen Begriffs: der Bus (vom Omnibus), die Uni (von der Universität), das Abi (vom Abitur).
Häufige Fehler und Zweifelsfälle
Biologisches Geschlecht: Dieses Kriterium schlägt nicht durch. So gehören das Mädchen und das Weib ins Neutrum, während die Person und die Wache feminin sind, ganz gleich, wer gemeint ist.
Regionale Unterschiede: Standard ist die Butter, regional (etwa in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz) hört man auch der Butter. Bei Radio gilt das Radio als Standard, der Radio kommt regional vor. Bei E-Mail ist die E-Mail in Deutschland die Standardform, in der Schweiz auch das E-Mail üblich. Wörterbücher nennen jeweils eine Standardform und weisen die andere als regional aus.
Bedeutungswechsel: In manchen Fällen bestimmt das Genus die Semantik. So unterscheidet sich der See von der See, der Band vom Band sowie der Leiter von der Leiter.
Ausnahmen bei -er: Das Wortende -er bestimmt nicht immer das maskuline Genus. Beispiele dafür sind die Mutter, die Butter, die Schwester sowie das Fenster, das Wasser und das Zimmer.
Ausnahmen bei -tum: Der Reichtum und der Irrtum sind maskulin, alle übrigen gebräuchlichen Wörter auf -tum sind neutral. Weitere maskuline Beispiele auf -tum sind kaum belegt.

Der unregelmäßige Kern
Bei einsilbigen Grundwörtern greift keine Regel. Der Tisch, die Bank, das Buch tragen ihr Geschlecht aus der Sprachgeschichte, und eine Begründung gibt es nicht.
Statistisch überwiegt bei diesen Wörtern das Maskulinum, gefolgt vom Femininum. Diese Verteilung ist allerdings kein verlässlicher Rat, sondern nur eine Beobachtung.
Vokabeln samt bestimmtem Artikel einzuprägen, bildet daher die einzig robuste Methode. Dieser Aufwand erspart später aufwändige Korrekturen.
Sprachkundige profitieren stark von zusammengesetzten Begriffen. Da stets das letzte Glied entscheidend ist, deckt die Kenntnis von tausend Grundwörtern das Genus von zehntausenden Komposita ab.
Ein praktischer Hinweis für Texte: Wo das Geschlecht schwankt, sollte innerhalb eines Dokuments nur eine Form vorkommen. Der Wechsel zwischen der Joghurt und das Joghurt fällt beim Lesen sofort auf, auch wenn beide Formen korrekt sind.
In Fachtexten lohnt zusätzlich ein Blick auf die Fachkonvention. Manche Disziplinen haben eigene Festlegungen, die vom allgemeinen Sprachgebrauch abweichen, und dort geht die Fachkonvention vor.
Fazit: Genus Regeln auf einen Blick
Endung und semantische Gruppe zeigen den Weg. Die Endungsregeln sind verlässlicher, einige gelten ausnahmslos.
Komposite nehmen das Geschlecht vom letzten Teil, abgeleitete Formen folgen der Endung. Für einsilbige Grundwörter gibt es keine Regel.
Im Zusammenhang „Genus Regeln: das Geschlecht deutscher Substantive“ werden die zentralen Punkte gebündelt.
Weitere Informationen zu Morphologie und Deklination: Artikel der die das, Komposita sowie Wortbildung.
