R auswerten lassen: Bedeutung, Aufbau und Vorgehen
R auswerten lassen
Wer R auswerten lässt, veranlasst einen Rechenschritt auf einem vorliegenden Datensatz. Damit das Ergebnis wissenschaftlich verwendbar ist, müssen Datenbasis, Auswertungsverfahren und Ergebnis von Anfang an getrennt bleiben.
Was R auswerten lassen bedeutet: drei Ebenen klar halten
Der Ausdruck "R auswerten lassen" verwendet das Verb lassen in einer bestimmten Bedeutung: lassen heißt hier, dass jemand bewirkt oder veranlasst, dass etwas geschieht. Wer R auswerten lässt, veranlasst also, dass eine Auswertung stattfindet, ohne sie zwingend selbst durchzuführen.
Damit eine solche Auswertung nachvollziehbar bleibt, lohnt es sich, drei Ebenen auseinanderzuhalten: das, was ausgewertet werden soll, den Schritt, mit dem die Auswertung geschieht, und das, was am Ende dabei herauskommt. Diese Trennung ist besonders beim wissenschaftlichen Schreiben hilfreich, weil Lesende sonst nur schwer erkennen, worauf sich eine Aussage stützt.
Wer vorab eine Forschungsfrage formulieren will, sollte deshalb zuerst klären, was genau ausgewertet werden soll und welche Frage damit beantwortet werden kann. Nur wenn diese Zuordnung feststeht, lässt sich später nachvollziehen, ob das Ergebnis zur ursprünglichen Frage passt.
Diese Grundunterscheidung gilt unabhängig davon, welches konkrete Verfahren oder Werkzeug am Ende zum Einsatz kommt. Sie ist eine sprachliche und strukturelle Vorbereitung, die vor jeder inhaltlichen Auswertung steht und sich auf jede Art von Material anwenden lässt, das ausgewertet werden soll.
Passend dazu findest du weitere Hinweise im Beitrag wissenschaftliches Schreiben.

Die Bestandteile einer R-Auswertung in nachvollziehbarer Reihenfolge
Eine nachvollziehbare Auswertung lässt sich in mehrere aufeinander aufbauende Schritte gliedern. Wer diese Reihenfolge kennt, kann jeden Teil gezielt vorbereiten und im Text sauber ausweisen.
- Grundlage und Frage abgleichen: Prüfe, ob das vorliegende Material überhaupt zur Frage passt, die beantwortet werden soll.
- Material aufbereiten: Bringe das Material in eine Form, die sich für den geplanten Schritt eignet, und halte fest, was dabei verändert wurde.
- Schritt anwenden: Wende den vorgesehenen Auswertungsschritt auf das aufbereitete Material an.
- Entscheidungen dokumentieren: Halte jede Entscheidung, die während der Anwendung getroffen wird, schriftlich fest, damit sie später nachvollzogen werden kann.
- Ergebnis rückbinden: Beziehe das Ergebnis wieder auf die Ausgangsfrage und benenne offene Grenzen des Materials und des Vorgehens.
Wer die Bestandteile einer wissenschaftlichen Arbeit kennt, erkennt darin ein vertrautes Muster: Auch dort stehen Grundlage, Vorgehen und Ergebnis in einer festen Reihenfolge. Die Methoden wissenschaftlicher Arbeiten unterscheiden sich zwar je nach Fach und Gegenstand, die Grundstruktur aus Vorbereitung, Durchführung und Rückbindung bleibt aber vergleichbar. Wer qualitative und quantitative Forschung betreibt, hält Befund und Deutung deshalb als getrennte Abschnitte fest, weil beide auf unterschiedlichen Grundlagen beruhen und nicht miteinander vermischt werden sollten.
Schritt für Schritt: Den Auswertungsprozess mit R durchführen
Der folgende Ablauf verbindet jeden Schritt mit einem Ergebnis, das am Ende dieses Schritts vorliegen sollte. So lässt sich der gesamte Weg von der Frage bis zum Befund nachvollziehen.
- Frage schriftlich festhalten: Formuliere die Frage als vollständigen Satz. Ergebnis: eine Aussage, die später als Maßstab dient.
- Material sichten: Prüfe Umfang und Form des vorliegenden Materials. Ergebnis: ein kurzes Protokoll des Ausgangszustands.
- Material aufbereiten: Bringe das Material in eine geeignete Form und halte jede Änderung fest. Ergebnis: ein aufbereitetes Material mit dokumentierten Änderungen.
- Schritt auswählen und begründen: Begründe, warum dieser Schritt zur Frage passt. Ergebnis: eine schriftliche Begründung.
- Schritt ausführen und Ergebnis sichern: Führe den Schritt aus und sichere das Ergebnis unverändert, bevor du es deutest. Ergebnis: ein gesichertes Rohergebnis.
- Befund formulieren, Deutung trennen: Beschreibe zunächst nur, was das Ergebnis zeigt. Erkläre erst danach, was das für die Frage bedeutet. Ergebnis: zwei getrennte Absätze im Text.
Wer eine Hausarbeit schreiben will, legt Befund und Deutung schon auf dieser strukturellen Ebene getrennt an, wenn dieser Ablauf eingehalten wird. Wer eine Masterarbeit schreiben will, hält zusätzlich jede Entscheidung im Ablauf so fest, dass der Weg für Außenstehende nachvollziehbar bleibt. Damit wissenschaftliche Argumentation gelingt, zeigt der Text, was das Material belegt, und hält davon getrennt, was daraus geschlussfolgert wird. Wer die Gliederung einer Hausarbeit frühzeitig plant, legt Vorgehensteil und Ergebnisteil als eigene Abschnitte an und sichert diese Trennung schon in der Struktur der Arbeit ab.
Ein Anwendungsbeispiel: Gruppenvergleich mit dokumentierten
Ein Beispiel zeigt, wie sich die Trennung von Grundlage, Schritt und Ergebnis in der Praxis anwenden lässt.
Eine Studierende möchte wissen, ob sich zwei Gruppen von Befragten in ihren Angaben unterscheiden. Ihre Frage lautet: Unterscheiden sich die Angaben von Gruppe A und Gruppe B voneinander?
Grundlage: Eine Liste mit vierzig Einträgen, je einer pro Person, mit der Gruppenzugehörigkeit und einer Angabe.
Aufbereitung: Zwei Einträge enthalten keine Angabe. Die Studierende entscheidet, diese Einträge auszuschließen, und hält diese Entscheidung schriftlich fest.
Schrittwahl: Sie wählt einen Schritt, der zur Frage passt, und begründet diese Wahl schriftlich. Wer möchte, dass andere diesen Schritt nachschlagen können, gibt beim Literaturverzeichnis erstellen die passende Grundlage als Quelle an.
Durchführung: Der gewählte Schritt liefert ein Ergebnis. Die Studierende sichert dieses Ergebnis unverändert, bevor sie es deutet.
Befund: Das Ergebnis zeigt einen Unterschied zwischen den Gruppen. Das ist der Befund: eine reine Beschreibung des Ergebnisses, ohne Erklärung.
Deutung: Ob dieser Unterschied auf einen bestimmten Grund zurückgeht, ist eine eigene Schlussfolgerung. Sie steht als eigener Absatz nach dem Befund und wird nicht mit ihm vermischt.
Wer Quellenangaben richtig zitieren kann, prüft dabei auch, ob eine angegebene Quelle den Befund trägt oder lediglich die Deutung stützt. Beides sind unterschiedliche Funktionen einer Quelle, die im Text getrennt ausgewiesen werden sollten.

Prüfliste: Acht Punkte vor der Abgabe
Die Prüfung gliedert sich in zwei Durchgänge, einen inhaltlichen und einen formalen. Führe beide getrennt durch.
Inhaltliche Prüfung
- Fragestellung: Liegt die Fragestellung als vollständiger, überprüfbarer Satz vor?
- Datenbasis: Sind Herkunft, Umfang und Struktur der Daten angegeben?
- Bereinigung: Sind alle Eingriffe in den Datensatz dokumentiert, einschließlich ausgeschlossener Fälle mit Begründung?
- Auswertungseinheit: Ist klar benannt, was eine Zeile im Datensatz repräsentiert?
- Verfahren: Ist das gewählte Verfahren benannt und die Wahl begründet?
- Dokumentation: Sind Zwischenentscheidungen so festgehalten, dass der Auswertungsweg nachvollziehbar ist?
- Ergebnis: Steht der Befund als eigener Absatz, getrennt von der Interpretation?
- Grenze: Sind die Grenzen des Verfahrens und der Datenbasis benannt?
Formale Prüfung
- Prüfe, ob die gewählten Zitierweisen im gesamten Text einheitlich angewendet wurden.
- Wer die deutsche Zitierweise anwendet, prüft das Fußnotenformat und den Vollbeleg im Verzeichnis.
- Wer die Harvard-Zitierweise anwendet, prüft das Autor-Jahr-Format im laufenden Text und im Literaturverzeichnis.
- Wer Plagiat vermeiden will, geht alle verwendeten Quellen durch und stellt sicher, dass jede Übernahme belegt ist.
Führe die inhaltliche Prüfung durch, bevor die formale Prüfung beginnt. Wer Quellenformate korrigiert, bevor die Fragestellung klar formuliert ist, verschiebt die Reihenfolge der Arbeit.
Quellen und Stand
- lassen, Schreibung, Definition, Bedeutung, Etymologie, Synonyme, Beispiele | DWDS: www.dwds.de (geprüft am 2026-09-01)
- etw. mitgehen lassen, Schreibung, Definition, Bedeutung, Beispiele | DWDS: www.dwds.de (geprüft am 2026-09-01)