Sekundäranalyse mit vorhandenen Daten wissenschaftlich durchführen

Neue Fragen an bereits erhobenes Material stellen

Lesezeit ca. 8 Min. · aktualisiert: 24. Juli 2026 · zur Akademie

Mit einer Sekundäranalyse wertest du vorhandene Daten im Hinblick auf eine neue oder vertiefende Forschungsfrage aus. Das können Umfragedaten, Interviews, Verwaltungsdaten oder archivierte Dokumente sein. Eine eigene Primärerhebung ist dafür in der Regel nicht nötig; Auswahl, Datenzugang, Passung der Variablen und ursprünglicher Erhebungskontext müssen sorgfältig geprüft werden. Der Ratgeber führt von der Datensatzsuche bis zur transparenten Ergebnisdarstellung.

Der Begriff und das Erkenntnisziel

Sekundäranalyse bedeutet nicht, Ergebnisse anderer nur zusammenzufassen. Untersucht werden vorhandene Daten, die für die eigene Fragestellung zugänglich und nutzbar sind. Du wertest sie mit einer eigenen Fragestellung und einem begründeten Verfahren aus. Davon unterscheidet sich die Literaturarbeit, die Veröffentlichungen synthetisiert. Auch die Analyse amtlicher Statistiken kann eine Sekundäranalyse sein, sofern du die Daten eigenständig aufbereitest und interpretierst.

Die Vorbereitung und ihre Abgrenzung

Lege die Forschungsfrage und, soweit dein Ansatz es vorsieht, Hypothesen oder Kategorien vor der Auswertung fest. Prüfe dann, ob Datensatz, Stichprobe und Erhebungszeitraum dazu passen. Lies Fragebogen, Codebuch, Methodenbericht und Hinweise zur Gewichtung. Kläre Nutzungsbedingungen, Zitierweise und mögliche Zugangsbeschränkungen. Bei qualitativen Daten sind Transkriptionsregeln, Anonymisierung und die ursprüngliche Einwilligung wichtig. Sind Anpassungen an vorhandene Variablen oder Texte nötig, begründe und dokumentiere sie.

Eine Sekundäranalyse mit vorhandenen Daten wissenschaftlich durchführen: Überblick
Eine Sekundäranalyse mit vorhandenen Daten wissenschaftlich durchführen im Überblick.

Das Vorgehen Schritt für Schritt erklärt

  1. geeignete Datenarchive und Datensätze recherchieren
  2. Dokumentation und ursprünglichen Erhebungskontext prüfen
  3. Forschungsfrage an verfügbare Variablen anpassen
  4. Daten bereinigen, umcodieren und Ausfälle dokumentieren
  5. Analyse durchführen und Grenzen der Wiederverwendung diskutieren

Halte relevante Entscheidungen, Änderungen und begründete Ausnahmen während des gesamten Prozesses in einem Arbeitsprotokoll fest. So kannst du das Methodenkapitel später anhand der tatsächlichen Arbeitsschritte statt aus dem Gedächtnis schreiben.

Durchgehendes Beispiel

Eine Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Erwerbstätigkeit und Studienzufriedenheit. Ein vorhandener Studierendensurvey enthält Arbeitsstunden, Studienfach, Semester und mehrere Zufriedenheitsitems. Die Analyse dokumentiert, wie aus den Items eine Skala gebildet wird, welche Fälle wegen fehlender Angaben entfallen und welche Kontrollvariablen verwendet werden. Im Fazit wird berücksichtigt, dass der ursprüngliche Survey nicht speziell für diese Forschungsfrage erhoben wurde.

Häufige Fehler vermeiden

  • Datensätze nach einem bekannten Ergebnis statt nach ihrer Passung auswählen
  • Ausgangsfilter und Gewichte außer Acht lassen
  • fehlende Werte ohne Dokumentation löschen
  • Korrelationen als kausale Effekte interpretieren

Für eine nachvollziehbare Sekundäranalyse dokumentiere Herkunft, Version, Lizenz und Zitation des Datensatzes. Trenne ursprüngliche Variablen von eigenen Umcodierungen und halte Verarbeitungsschritte nachvollziehbar fest. Prüfe Messqualität und Stichprobenabdeckung im ursprünglichen Methodenbericht. Nicht messbare Aspekte sollten in den Limitationen benannt werden. Bei personenbezogenen oder sensiblen Daten können zusätzliche Zugangs- und Schutzanforderungen des Archivs gelten.

Eine Sekundäranalyse mit vorhandenen Daten wissenschaftlich durchführen: Schritte

Wie die Dokumentation ins Methodik- oder Hauptkapitel passt

Beim Schreiben über eine Sekundäranalyse sollte in der fertigen Arbeit nicht nur der Methodenname oder eine Überschrift stehen. Erkläre zuerst, weshalb das Vorgehen zur Forschungsfrage passt, welches Material einbezogen wird und nach welchen Regeln du Entscheidungen triffst. Beschreibe danach die tatsächliche Durchführung in einer für das Verständnis sinnvollen Reihenfolge. Abweichungen vom ursprünglichen Plan gehören ebenfalls in die Dokumentation, besonders wenn sie Auswahl oder Ergebnis beeinflussen können.

Trenne Verfahrensbeschreibung, Ergebnis und Bewertung. Die Beschreibung erklärt, wie du die Sekundäranalyse durchgeführt hast. Der Ergebnisteil zeigt, was dabei herauskam. Erst die Diskussion ordnet Aussagekraft, Alternativen und Grenzen ein. Diese Trennung verhindert, dass nachträgliche Deutungen wie vorher festgelegte Regeln wirken. Tabellen, Protokolle oder Anhänge können Details aufnehmen, müssen aber im Fließtext eingeführt und an der passenden Stelle ausgewertet werden.

Prüffragen vor der Abgabe

Kontrolliere die Seite oder das Kapitel nicht nur sprachlich, sondern als prüfbaren Arbeitsweg. Die folgenden Fragen helfen beim Schreiben über eine Sekundäranalyse vor der Abgabe:

  • Ist der Arbeitsschritt „geeignete Datenarchive und Datensätze recherchieren“ mit Auswahlkriterien, Suchorten und Zugangsbedingungen so erläutert, dass eine fachkundige Person die Entscheidung nachvollziehen kann?
  • Ist der Arbeitsschritt „Dokumentation und ursprünglichen Erhebungskontext prüfen“ mit Angaben zu Stichprobe, Erhebung und Gewichtung so erläutert, dass eine fachkundige Person die Entscheidung nachvollziehen kann?
  • Ist der Arbeitsschritt „Forschungsfrage an verfügbare Variablen anpassen“ mit einer Begründung für die Passung von Frage, Material und Variablen so erläutert, dass eine fachkundige Person die Entscheidung nachvollziehen kann?
  • Ist der Arbeitsschritt „Daten bereinigen, umcodieren und Ausfälle dokumentieren“ mit den vorgenommenen Regeln, Änderungen und dem Umgang mit fehlenden Werten so erläutert, dass eine fachkundige Person die Schritte nachvollziehen kann?
  • Ist der Arbeitsschritt „Analyse durchführen und Grenzen der Wiederverwendung diskutieren“ mit Verfahren, Ergebnissen und Grenzen so erläutert, dass eine fachkundige Person die Entscheidung nachvollziehen kann?
  • Belegt ihr Nachweis, dass ihr „nur nach einem bekannten Ergebnis statt nach Datenpassung auswählen“ ausschließt?
  • Zeigt dein Dokument, wie du „ursprüngliche Filterführung und Gewichtung ignorieren“ verhinderst?
  • Zeigt deine Notiz, wie du „fehlende Werte ohne Dokumentation löschen“ vermeidest?
  • Legt ihr dar, wie ihr „Korrelationen als kausale Effekte interpretieren“ stoppt?

Kannst du eine Frage nicht klar mit einer konkreten Textstelle beantworten, fehlt oft eine Begründung, Definition oder Quellenangabe. Füge diese Information genau dort ein, wo die Entscheidung erstmals eine Rolle spielt. Ein nachträglicher Hinweis im Fazit behebt Lücken im Methodik- oder Analyseteil nicht vollständig.

Quellen, Datenzugänge und passende Vertiefungen

Im Datenkatalog von GESIS findest du Studienbeschreibungen und Datensätze; die jeweiligen Zugangsbedingungen stehen bei den Daten. Für zugangsbeschränkte Daten bietet GESIS je nach Datensatz besondere Zugangsverfahren, etwa das Secure Data Center.

Ergänzende Handbücher: empirische Arbeit, Forschungsdesign, quantitative Forschung, qualitative Inhaltsanalyse.

Lass deine wissenschaftliche Arbeit vor der Abgabe sprachlich und formal prüfen. Informationen zu Preisen und Leistungsumfang des professionellen Lektorats findest du vor der Beauftragung auf der Preisseite.

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Häufige Fragen zur Sekundäranalyse mit vorhandenen Daten

Ist eine Sekundäranalyse empirisch?

Ja. Du analysierst vorhandenes empirisches Material, erhebst es aber nicht selbst. Herkunft und ursprüngliche Datenerhebung müssen klar dargestellt werden.

Wo finde ich geeignete Datensätze?

Typische Fundorte sind Forschungsdatenzentren, Fachrepositorien, statistische Ämter sowie institutionelle Archive. Prüfe Lizenzbedingungen und die Qualität der Datendokumentation.

Brauche ich eine neue Einwilligung?

Ob eine neue Einwilligung erforderlich ist, richtet sich unter anderem nach Rechtsgrundlage, Zweck der weiteren Verarbeitung, Datenart, anwendbarem Datenschutzrecht und den Nutzungsbedingungen des Archivs. Kläre den konkreten Fall mit der für deine Einrichtung zuständigen Datenschutzstelle und dem Datenarchiv; bei Bedarf hole rechtliche Beratung ein.

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