Gendergerechte Sprache
Gendergerechte Sprache in der Bachelorarbeit
Gendergerechte Sprache in der Bachelorarbeit bedeutet nicht zwangsläufig, sämtliche Personenbegriffe durchgängig mit Sternchen oder Doppelpunkten zu versehen. Maßgeblich sind jedoch die Vorgaben deiner Hochschule oder deines Fachbereichs. Gut lesbare wissenschaftliche Texte verbinden geschlechtsneutrale Bezeichnungen, Doppelnennungen und passende Sonderzeichen. Diese Übersicht zeigt dir, wie du die Formen gezielt auswählst, verständlich formulierst und im gesamten Text einheitlich bleibst.
Gendergerechte Sprache: drei grundlegende Strategien
- Neutrale Begriffe: Bezeichnungen wie „Studierende" statt „Studenten/Studentinnen", „Lehrkraft" statt „Lehrer" oder „Person" statt „Mann/Frau" rücken die Funktion in den Mittelpunkt.
- Doppelnennungen: Die Variante „Studentinnen und Studenten" ist klar, kann bei ständiger Nutzung aber sperrig wirken.
- Sonderzeichen-Formen: Sternchen, Doppelpunkt und Binnen-I sind mögliche Schreibweisen. Ob sie für deine Arbeit passen, richtet sich nach dem Kontext sowie nach den Vorgaben deiner Hochschule.
An welcher Stelle passt welche Genderform?
Prüfe zuerst, ob sich ein Personenbegriff neutral und präzise ausdrücken lässt. Ist das möglich, bleibt der Satz meist flüssig und die Aussage eindeutig. Eine Doppelnennung oder ein Sonderzeichen ist vor allem dort sinnvoll, wo keine neutrale Form existiert oder eine neutrale Umschreibung den Inhalt verändern würde. So entsteht ein natürlicher Text, der gendergerecht und zugleich gut lesbar ist.

Neutrale Begriffe für die Bachelorarbeit
- Studierende statt Studenten und Studentinnen, wenn tatsächlich Studierende gemeint sind
- Lehrkraft statt Lehrer; Lehrpersonal für eine Gruppe von Lehrkräften
- Forschende statt Forscher
- Mitarbeitende statt Mitarbeiter
- Lesende statt Leser
- Person oder Mensch anstelle von Mann/Frau, wenn das Geschlecht nicht relevant ist
- Fachleute statt Experten
- Vorsitz statt Vorsitzender, wenn die Funktion gemeint ist
- Kollegium statt Kollegen, wenn die Gesamtheit der Lehrkräfte gemeint ist
- Publikum statt Zuhörer, wenn alle Anwesenden gemeint sind
Ein Satzbeispiel: Vorher und nachher
Schwerfällig: „Die Studentinnen und Studenten der Universität waren mit den Lehrerinnen und Lehrern unzufrieden, weil die Forscherinnen und Forscher Probleme nicht ernst nahmen."
Elegant: „Die Studierenden der Universität waren mit den Lehrkräften unzufrieden, weil das Forschungspersonal Probleme nicht ernst nahm."
Wie du gendergerecht und flüssig formulierst
- Nutze den Plural, wenn er inhaltlich passt: „die Studierenden“ kann eine knappe Alternative zu „der Student oder die Studentin“ sein.
- Formuliere unpersönlich, wenn die handelnde Person nicht wichtig ist: „beim Lernen“ kann je nach Satz eine personenbezogene Formulierung ersetzen.
- Verwende Funktionsbezeichnungen, wenn die Funktion gemeint ist: „die Geschäftsführung“ kann an die Stelle von „der Geschäftsführer“ treten.
- Formuliere sachbezogen, wenn die handelnde Person keine Rolle spielt: „bei der Antragstellung“ ist knapper als „wenn jemand einen Antrag einreicht“.

Wann sind Genderzeichen sinnvoll?
Nutze Sonderzeichen, wenn keine treffende neutrale Form existiert und eine Doppelnennung den Satz unnötig verlängert. Entscheidend ist, dass die gewählte Form zur bezeichneten Personengruppe und zum sprachlichen Zusammenhang passt:
- „Bürger*innen" kann präziser sein, wenn „Bürgerschaft" zu distanziert wirkt und die häufig verwendete Form „Bürgerinnen und Bürger" den Satz zu lang macht.
- „Schüler*innen" bleibt sinnvoll, wenn „Schulkinder" wegen der angesprochenen Altersstufen nicht passt.
- „Patient*innen" ist häufig verständlicher als die mögliche, aber ungewöhnliche Alternative „Behandelte".
Neutrale Alternativen gezielt nachschlagen
Wenn dir während des Schreibens keine passende Form einfällt, helfen Online-Wörterbücher wie geschicktgendern.de oder das Online-Wörterbuch des Duden. Dort findest du für viele Personenbezeichnungen neutrale Alternativen, die du anschließend auf Bedeutung, Grammatik und den Kontext deines Satzes prüfen kannst.
Häufige Fehler beim Gendern vermeiden
- Zu viele Doppelnennungen machen den Lesefluss unnötig schwerfällig, obwohl an denselben Stellen eine neutrale Form möglich ist.
- Der ständige Wechsel zwischen Neutralformen, Sternchen und dem generischen Maskulinum lässt das sprachliche Konzept schnell unzusammenhängend wirken.
- Texte verbessern sich nicht dadurch, dass jedes Personenwort ein Sternchen erhält, wenn schon eine deutliche neutrale Lösung existiert.
- Der pauschale Verweis im Vorwort als „Reicht-mir“-Lösung stellt kein aktives und konsequentes Gendern im Fließtext dar.
Weitere Formen und Anwendungsfälle erklärt der Überblick Gendern in der wissenschaftlichen Arbeit. Ob die gewählte Schreibweise im gesamten Dokument stilistisch konsistent umgesetzt ist, wird auch im professionellen Lektorat geprüft.
Suchst du die passende gendergerechte Form für ein einzelnes Wort, hilft dir das Gender-Wörterbuch. Dieses Werk führt alphabetisch weit über 250 Berufs- und Personenbezeichnungen auf und nennt jeweils eine neutrale Alternative.
